Störrische Pendel und therapeutische Esel

Bei der 14. TextProbe im Ladenlokal von Optik Sichtweise bereiteten zehn Teilnehmer aus der „Köln-Bonner-Literaturbucht“ dem scheidenden Moderator Lothar Tolksdorf einen herzlichen Abschied.

„Bei der TextProbe darf gelacht und geweint werden“, stellte der Bornheimer Literaturkabarettist Lothar Tolksdorf heraus. Ein wenig Wehmut mischte sich in die überwiegend heiteren Beiträge seiner „talentierten Literaturbühne“. Aus beruflichen und persönlichen Gründen übergab er die Moderation in die Hände von Gerd Engel.

Zum Ausstand im Rahmen der Rheinbacher Lyriktage hatte er alte Weggefährten eingeladen, wie den unvergleichlichen Humoristen Johannes Engel aus Erftstadt, mit dem er auch Teile seines „Söderbergh“-Programms zum Besten gab und fügte schmunzelnd hinzu. „Wir halten es mit dem Motto: Wer probt, fällt nur seinem Partner in den Rücken.“ Auch die Kölner „Sprechduettisten“ Julia Trompeter und Xaver Römer kamen zur Abschiedsvorstellung und zeigten, welche Möglichkeiten sich der Lyrik eröffnen, wenn zwei Stimmen sie zugleich sprechen. Das wohlkomponierte Durcheinander im Miteinander war große Kunst. Julia Trompeter las dann noch solo aus ihrem Lyrik-Band „Zum Begreifen nah“.

Günther Detro fabulierte zur Freude der 40 Besucher über ein eigensinniges Pendel und fantasierte pointenreich in Erhardt‘scher Manier, wie sich das Ende des Plüschkamels Paule zugetragen haben könnte. Die frisch gebackene SJG-Abiturientin Mignon Mangel beschwor den Mut zu Träumen und Christiane Bröckelmann besang, begleitet von Dirk Plücker am Klavier, das periodisch wiederkehrende Nachbarschaftsgefühl während des gemeinsamen EM-Schauens und rührte dann mit dem bewegenden „Die Lücke“ ihre Zuhörer an.

Der scharfzüngige Wortzerpflücker Hasso Rieck aus Meckenheim zeigte nach der Pause eine andere Seite seiner Textkunst: Nachdenklichkeit und das Zurückgeworfensein auf existentielle Fragen. Eine solch menschliche Tiefe, in wenigen Versen zu vermitteln, ist auch die große Stärke des Weilerswisters Adi Kuhlmann. Der Pensionär las u.a. aus seinem beachtenswerten Gedichtzyklus „Wächteresel“ („Mein Thearpeut hat lange Ohren …“).

Vier neue Lieder präsentierte das Rheinbacher Kleinkunst-Duo „dirkundich“ (Dirk Pücker und Gerd Engel). Darin nahm es u.a. die Lust und Last des Brilletragens aufs Korn sowie „die Nachbarstadt mit dem Apfellogo“: „Man muss Paris nicht kennen, da reicht Meckenheim“. In einer wehmütigen Hymne in Rheinbacher Mundart beschwor Engel sein Gefühl für die neue Heimat.

Der ältesten Teilnehmerin Margret Wittgrefe oblag es, den scheidenden Tolksdorf in einem Gedicht zu verabschieden, nicht ohne ihm ihr legendäres Pausengebäck „Käsefüße“ mitzugeben, auch weil sie sich so schön auf „Abschiedsgrüße“ reimen.

Die Party nach der Veranstaltung dauerte so lange, wie die TextProbe selbst. Und wer es bis nach Mitternacht aushielt, konnte hören, wie gut die Augenoptikerin Esther Grote singen kann. Ein Abend für das Legendenbuch!

Die nächste TextProbe im Städtischen Gymnasium findet am 12. September statt. Ambitionierte Hobby-Autoren ab 14 Jahren können sich bei Gerd Engel melden: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

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