Leidenschaft für Literatur und passgenaue Sprünge

Beim Jubiläums-Rheinhexenslam in der VPK-Aula gewann Kathi Hopf aus Koblenz in einem hochklassigen Finale gegen den Kölner Jonathan Löffelbein.

Es war alle fein gerichtet in der VPK-Aula („Viel Platz für Kultur“) in der Pallottistraße 1: ein exquisites Line-up, für das Anke Fuchs verantwortlich zeichnete und eine von Harald Scherer stimmungsvoll eingeleuchtete Bühne. Dazu verbreitete die köstliche Jubiläumssuppe aus dem Rheinbacher Restaurant „die küche“ einen exotischen Duft.

Nachdem der Hausherr, Pater Horst Liedtke, mit einem nachdenklichen Text von Hans-Dieter Hüsch die 120 Fans des Rheinbacher Poetry-Slams begrüßt hatte, legte zunächst Liedermacher Florian Wintels los, der als „featured artist“ eingeladen war. Er machte Lust auf das Singer-Songwriter Format von RHEINBACH LIEST, den LiedStrich. Der 20-jährige Student aus Paderborn (Popmusik und Medien) entpuppte sich als Riesentalent. Seine vorwiegend humorvollen Lieder über den „Mann in meinem Kopf“ und seine Fähigkeit, wie ein gutes Pferd nie höher zu springen als nötig, polierten die noch etwas müde Hinrunde der nachfolgenden Slammer auf.

Aus dem Feld stachen zunächst Kathi Hopf aus Koblenz mit „Brauche, biete, finde“ über das Ende einer Freudschaft, sowie „Worst of Chefkoch“-Autor Christian Löffelbein hervor. Letzterer hatte mit seinem „Jesus-Rap“ und Startplatz eins aber erschwerte Bedingungen. So konnte sich der Rhonsdorfer Reinhard Clement als Oldie mit einem Reigen humorvoller sprachspielerischer Gedichte an den zweiten Platz setzen. In der Rückrunde trumpfte dann zunächst Andrea Maria Fahrenkampf auf, die hoch eingeschätzte U20-Meisterin aus dem Saarland. In ihrem Rückrundentext machte sie sich gekonnt über ihre Körpergröße lustig („Ich werde später nass“). Als letzter der Vorrunde durfte dann Jonathan Löffelbein mit einer fulminanten Beschimpfung eines karriereorientierten „FDP-Schnösels“ und einer Wertung nahe der Höchstpunktzahl noch ins Finale rücken: „Mein Name ist Jonathan Löffelbein und Literatur wird meine letzte Leidenschaft sein.“

Das hohe Niveau der Rückrunde steigerte sich nochmals in dem ausgezeichneten Finale. Löffelbein unterlag nur knapp in der Applausabstimmung gegen Kathie Hopf mit einem Text, in dem er lustvoll Stradivaris zerschmetterte. Kathie Hopf hatte mit einer sehr persönlichen Rede an ihr 12-jähriges Selbst das Publikum gerührt („Scheiß auf Orangenhaut – Obst ist gesund!“) und bekam von Moderator Lasse Samström den begehrten Hexenturm aus Silber überreicht.

Steffi Scherer von „Rheinbach liest“ zog mit den Kooperationspartnern von der Öffentlichen Bücherei, der Buchhandlung Kayser und dem Freundeskreis „Pallottistraße 1“ ein positives Fazit. Am Slam-Plan für das nächste Jahr wird bereits gebastelt.

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