Poetry-Künstler rocken den Hörsaal

In einem knappen Finale gewinnt die belgische Berlinern Jesse James LaFleur den 16. RheinHexenSlam.

Wie versprochen hochkarätig war die Besetzung des RheinHexenSlams im großen Hörsaal auf dem Rheinbacher Campus. Moderator und Schüttelreim-Ikone Lasse Samström vermisste das Sofa bei der Kooperationsveranstaltung mit der Hochschul- und Kreisbibliothek nur in einer ironischen Zwischenbemerkung. „Zu Gast auf dem Sofa“, wie das etablierte Autorenformat von Bibliotheksleiter Dr. Armin Erhardt heißt, war nicht wörtlich zu nehmen. Zu Gast auf dem Klappsitz träfe es da schon eher. Rund 50 Studenten mischten sich unter 200 weitere Besucher. Der RheinHexenSlam hat mittlerweile eine treue Fangemeinde. Und die dürfte nach dieser Ausgabe nicht kleiner geworden sein.

Die „wunderhübsche Lottofee“ Liam hatte es fertig gebracht, die sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Dichterwettstreits in einen „Mädchen- und einen Jungenblock“ (O-Ton Samström) zu wählen. Den unbeliebten ersten Startplatz erhielt die 21-jährige Lisa Oberstebrink aus Düsseldorf. Ihre 40 Punkte mit einer Liebeserklärung konnte sie zwar durch einen ambitionierten Text gegen die sexuelle Belästigung in der Rückrunde noch auf 86,5 Punkte hieven, doch das reichte trotzdem nur für Platz sechs in dem starken Feld. Mit Julia Szymnik aus Marburg („Schön, dass du da bist.“) nahm die Veranstaltung Fahrt auf. Bei einem Mitmachteil musste das Publikum „Ich will naiv sein!“ brüllen, z.B. nach der Aussage: „Ich will glauben, dass die AfD Alternativen für Deutschland bietet.“

Die 30-jährigen Weltenbummlerin Jesse James LaFleur, stammt aus der Wallonie, heißt wirklich wie die Wildwestlegende und ist eine echte Rampensau. Ihren Text über die Pressefreiheit aus der Sicht von Schreibgeräten performte sie so ausdrucksstark, dass die Jury 45,5 Punkte spendierte. Der Hamburger Danny Grimpe brachte als cooler Nerd den Hörsaal zum Lachen mit Ausführungen über sein tragisches Liebesleben (47,5 Punkte). Auch der Kölner Nils Frenzel setzte auf Humor und parodierte gekonnt die Kennenlernphase im Master-Studium (44,5).

Ganz anders der still-charmante Artem Zolotarow aus Mainz, der einen Text aus der Perspektive der Angst darbot, die den „Wirtsmenschen“ in perfekt mephistotelischen Versen anspricht („Erzähle niemandem von mir, nur so bleib ich bei dir …). Dies und sein Rückrundentext über „Max und Melanie“ katapultieren ihn mit insgesamt 92 Punkten ins Finale. Hier wartete Jessy James auf ihn, die mit dem autobiographischen „So lange du die Füße unter meinen Tisch stellst …“ die exakt gleiche Punktzahl erreichte. Julia Szymnik kam mit „Herzschlag“ auf Platz drei (91 Punkte).

Die beiden Finalisten zeigten dann, wie vielseitig das Format Poetry-Slam ist. Artem rührte mit seiner Betrachtung über seine persönliche Migrationserfahrung und die seiner sowjetischen Familie zu Herzen. Jesse konterte und gewann schließlich mit einer brillanten Collage aus Schlagertexten: „Es ist so schwer oder: Als der Schlager mich schlagartig erschlug.“ Für sie gab es den HexenTurm in Silber aus dem CF-Atelier von Nadia Fassbender und für alle Künstler eine Literflasche Rheinbacher Brauhausbier. Lasse Samström berichtete an dieser Stelle zum Vergnügen des Publikums, dass er neulich vom gesammelten Flaschenpfand des Kult-Getränks prächtig im Brauhaus gegessen habe (Fünfzehn mal 2,50 €. Ich konnte nicht mehr Papp sagen“).

Steffi Scherer vom Veranstalter RHEINBACH LIEST freute sich mit Martin Prüser (Öffentliche Bücherei St. Martin) und Christoph Ahrweiler (Buchhandlung Kayser) über das konzentriert zuhörende Publikum: „Bei allen 14 Texten ist es dran geblieben.“ Die selbständige Graphikerin zeichnet auch verantwortlich für das neue Programmleporello des rührigen Vereins. Es wird derzeit in einer Auflage von 10.000 Stück in Rheinbach und der Region verteilt. Dort findet sich auch das neueste „Baby“ wieder, der „Konfetti-Slam“ am 3. Februar 2017. Es ist kulturell eine Menge los in der Glasstadt. Das findet auch der Ex-Pallottiner Lasse Samström. Er schließt nach warmem Schlussapplaus mit den Worten: „Bleibt hier wohnen, denn Rheinbach ist eigentlich ganz cool.“

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