„RheinHexenSlam“ an neuem Ort

Rheinbachs Poetry-Slam findet am 27. September um 19:30 Uhr zum ersten Mal in der Mensa des Städtischen Gymnasiums statt. Der Vorverkauf ist angelaufen.

Der RheinHexenSlam hat schon an vielen Stationen in Rheinbach Halt gemacht. Zuletzt moderierte Lasse Samström die zwanzigste Ausgabe in der ehemaligen VPK-Aula mit großem Erfolg. „Diesmal soll die Arbeit des Städtischen Gymnasiums rund um die kulturelle Förderung seiner Schülerinnen und Schüler gewürdigt und inspiriert werden“, so unser Vereinsmitglied Steffi Scherer. „Auch wenn unser Poetry-Slam in Rheinbach generationenübergreifend beliebt ist, die schönste Herausforderung bleibt es, junge Menschen für diese Art von Wortkunst zu begeistern.“ Ein Poetryslam-Workshop für die Schülerinnen und Schüler ist geplant.

Mit der modernen Mensa des SGR an der Königsberger Straße hat der Kulturverein bislang gute Erfahrungen gemacht. „Hier sind die Besucher ganz nah am Geschehen. Die Mensa wirkt nicht wie ein schulischer Raum, sondern eher als Club“, so Harald Scherer, der die Veranstaltung ins richtige Licht setzt.

Da passt es gut, dass erstmals eine ehemalige Schülerin des SGR im Teilnehmerfeld ist. Die 18-jährige Abiturientin Lara Schmidt erregte erstmals 2016 Aufmerksamkeit, als sie den Lyrikwettbewerb „Herzklopfen“ in ihrer Altersgruppe gewann. Innerhalb ihrer Schule, aber u.a. auch bei weiteren Rheinbach-liest-Veranstaltungen wurde ihr Talent als Künstlerin kontinuierlich gefördert.

„Zum Poetry-Slam gehört nicht nur das Schreiben, sondern auch das Performen, und das lernt man nur durch Auftritte“, weiß Moderator Lasse Samström, der es 2003 sogar einmal zur Deutschen Meisterschaft brachte. Wer den begehrten Hexenturm aus Silber aus dem CF-Atelier als Sieger mit nach Hause nehmen darf, darüber entscheidet wie immer eine Zuschauerjury.

Karten im Vorverkauf gibt es im Städtischen Gymnasium sowie bei den weiteren Kooperationspartnern, der Buchhandlung Kayser und der Öffentlichen Bücherei St. Martin zum Preis von 10,00 € (ermäßigt 6,00 €). An der Abendkasse wird ein Zuschlag von 2,00 € erhoben.

Mehr als nur Anschein

Mit ihrem ersten Solo-Programm überzeugte die 22-jährige Ella Anschein im Rheinbacher „Viel Platz für Kultur“ (VPK) in der Pallottistraße 1.

„Vom großen Entzücken, wenn einer sich auszieht“, hatte Nordrhein-Westfalens U20-Poetry-Slam Meisterin von 2017 den Abend überschrieben, nach einer Zeile in einem ihrer großartigen Texte. Um es vorwegzunehmen: Die Kleider blieben, anders als bei der szenischen Lesung „Der alte Mann und das Mädchen“ an gleichem Ort vierzehn Tage zuvor, an.

Die Vorschusslorbeeren für die jüngst mit dem Leverkusener Kleinkunstpreis bedachten Ella Anschein waren nur zu berechtigt. Die Texte der Siegburger Schauspielschülerin sind inhaltlich breit gestreut und stilistisch so vielfältig, dass bei diesem Poetry-Slam gegen sich selbst zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkam.

Aus einer Reisebeschreibung über eine französische Kleinstadt wurde nach und nach ein flammendes Plädoyer für Europa. Ein wütendes Essay über ein Lied von Max Giesinger nutzte Anschein für ein brillantes emanzipatorisches Statement. Und bei dem herrlichen Text über die Notwendigkeit des Mauerlaufens von Kindern („Mauerlaufen sollte von Ärzten verschrieben werden.“) verband sich Humor mit Nachdenklichkeit. Überhaupt scheint dies eine Besonderheit der Nachwuchskünstlerin zu sein. Selbst wenn sie sich und dem aufmerksam lauschenden Publikum einmal Klamauk gönnt, wie bei dem rasanten Mitsprechtext „Gangster-Rap-Oma“ schimmert immer ihre Klugheit und ein ungewöhnliches politisches Bewusstsein durch.

Der fein komponierte Abend verlangte den Zuhörern volle Konzentration ab und belohnte sie mit inspirierender Unterhaltung auf höchstem Niveau. Es hat mehr als nur den Anschein, dass da eine bemerkenswerte Bühnenkünstlerin heranreift. Ella Anschein hat etwas zu sagen. Und wie sie es sagt, ist höchst kunstvoll. Manch müder Kabarettist könnte sich an Ella Anscheins pointierter Schärfe und ihrer brillanten Rhetorik sein Messer wetzen.

Klare Kante zeigt die umtriebige Kulturnetzwerkerin auch bei ihrer Aussage zur Zukunft der ehemaligen Pallotti-Aula: „Die Rheinbacher wären mit dem Klammerbeutel gepudert, diesen wunderbaren Ort nicht für Kultur und Bildung zu erhalten. Wo bleibt der Aufschrei, wenn hier über einen Abriss auch nur nachgedacht wird?“

Dieser Aussage ist nichts hinzuzufügen. Die begeisterten Besucher, die sich in der tip-top erhaltenen ehemaligen Aula des Vinzenz-Pallotti-Kollegs merklich wohl fühlten, dankten es Ella Anschein mit einem warmen und lang anhaltenden Schlussapplaus. Ralf Eschweiler vom Freundeskreis Pallottistraße 1 und Steffi Scherer von Rheinbach Liest, die beide den jungen Verein „Rheinreden e.V.“ bei der Durchführung der Veranstaltung unterstützt hatten, zeigten sich ebenfalls hoch zufrieden: „VPK – Viel Platz für Kultur!“

Ella Anschein Poetry-Solo

Die U20 NRW-Siegerin Ella Anschein kommt am 26. Januar, um 19:30 Uhr mit ihrem Solo-Programm ins VPK (Viel Platz für Kultur).

Der Titel einer U20-Siegerin im Poetry-Slam im einwohnerstärksten Bundesland und mit der höchsten Dichte an Slam-Poeten versehen, ist keine üble Referenz. Fast noch besser: GA-Feuilletonist Eugen Haas verleiht der ambitionierten Schauspielschülerin jüngst nach ihrem Auftritt im Pantheon einen echten Ritterschlag: „Sie verfügt über Haltung, Eloquenz, Drive und Ausstrahlung.“

Man darf also gespannt sein auf das Programm „Vom großen Entzücken, wenn einer sich auszieht“, ein Titel, wie ihn Max Goldt hätte erfinden können. Ella Anschein liest, spricht und spielt in der ehemaligen Aula des Vinzenz-Pallotti-Kollegs Geschichten und Gedichte über den ganz normalen Wahnsinn, über sonderbare Alltagsphänomene und Beobachtungen. Den veranstaltenden Verein „rheinreden“ hat Ella übrigens vor kurzem gleich mitgegründet. Kooperationspartner vor Ort sind Rheinbach Liest e.V. und der Freundeskreis Pallottistraße 1

Karten gibt es im Vorverkauf in der Buchhandlung Kayser zum Preis von 8 € (ermäßigt 6 €) oder an der Abendkasse.

made by adfacts . integrierte Kommunikation KG