17. Rheinhexenslam im Pfarrzentrum

Rheinhexenslam im Pfarrzentrum

Zum 17. Rheinhexenslam von RHEINBACH LIEST am 12. Mai hat Lasse Samström wieder eine erlesene Auswahl von Slam-Poeten auf der Bühne des Pfarrzentrums am Lindenplatz zu Gast.

Beim Poetry-Slam, diesem beliebten modernen Dichterwettstreit, treten fünf Wortakrobaten mit fünf- bis sechsminütigen Kurzbeiträgen gegeneinander an. Nachdenklich, lustig oder kunstvoll verspielt, Hauptsache nicht langweilig!

Das Publikum entscheidet, wer am Ende den begehrten Hexenturm in Silber aus dem CF-Atelier gewinnt.

Karten gibt es im Vorverkauf für 9 € (ermäßigt 6 €) bei den Kooperationspartnern, der Öffentlichen Bücherei St. Martin und der Buchhandlung Kayser sowie an der Abendkasse.

Brötchenliebe, Beatboxen und Kartoffelbrei

Beim 18. Rheinhexenslam vor 200 Besuchern im Hörsaal der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg setzte sich die 23-jährige Luca Swieter aus Aachen in einem jungen Teilnehmerfeld durch. Die Rheinbacherin Lara Schmidt deutet ihr Talent an.

„Ich hatte ordentlich Fracksausen“, bekannte Julius Esser beim „After-Show-Bierchen“ freimütig. Die Moderation des renommierten Rheinhexenslams war dem 27-jährigen vielseitigen Bühnenkünstler ausgezeichnet gelungen. Souverän, schlagfertig und zügig führte er zum ersten Mal durch den Dichter-Wettbewerb mit Vorrunde, Rückrunde und Finale. Zuvor hatte Gerd Engel, 2. Vorsitzender von Rheinbach liest e.V., dem Publikum erklärt, dass man zu einem Konzept mit wechselnden Moderatoren übergegangen sei. „Lasse Samström werden wir hier auch wieder sehen“, machte er allen Fans des Urgesteins Hoffnung.

Zum vierten Mal fand der Rheinbacher Poetry-Slam im großen Hörsaal der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg statt, als Kooperationsveranstaltung mit dem beliebten Autorenformat „Zu Gast auf dem Sofa“ der Hochschul- und Kreisbibliothek. Deren Leiter, Dr. Armin Erhardt, war „von der Vielfalt der Text- und Vortragsstile begeistert“.

Sven Henseler (22) aus Bochum arbeitete sich beispielsweise in einem deftigen Text an seinen Eltern ab, die ihm einst vorwarfen, er sei wie eine Pizza Margaritha und habe „nicht viel drauf“. Seiner Oma schrieb er eine Ode an den von ihr zubereiteten Kartoffelbrei. Luca Swieter (23) aus Aachen performte eine Lobeshymne auf das Morgenbrötchen und nahm sich selbst auf die Schippe, als die Frau, die nie auf Partys eingeladen werde („Super, weil man in der Zeit gut Sachen erledigen kann.“).

Der Paderborner Singer-Songwriter August Klar (27) hatte einen frischen Text im Gepäck („gestern und heute entstanden“), dem unschwer zu entnehmen war, dass er unter Liebeskummer leidet. In der Rückrunde erklärte er, diesen „habe er mehr für sich geschrieben“ und zeigte dann eine ganz andere Seite. Mit Beatboxen, dem kunstvollen Bearbeiten des Mikrophons mittels Atem, Lippe, Zunge und Stimme, sei es ein Leichtes, „Erfolg bei Frauen zu haben“. Dürfte dies auch Ironie gewesen sein, für das Beatboxen und das Nachahmen von Tiergeräuschen bekam August Szenenapplaus.

Lara SchmidtMüsli aus Euskirchen

Der folgende Performer mit dem Künstlernamen „Müsli“ war aus Euskirchen angereist und zeigte sich davon begeistert, wie viele Menschen in Rheinbach zum Poetry-Slam kommen. Sein Text über einen dementen Alten mit Nazi-Vergangenheit habe „hier zum ersten Mal Applaus gekriegt“. Leonie Ader erzählte in bewegender Poesie von „ihrer Freundin Anna Mia“, die sich im Verlauf des Textes als ihre überwundene Magersucht herausstellte. Auch ihr Rückrundentext über die Auseinandersetzung mit Intoleranz und einem geschätzten Bekannten, der die AfD gewählt habe, bewiesen, dass Slam-Poetry auch politisch sein kann.

Folgerichtig bekam die Lehramtsstudentin die zweitmeisten Punkte von der Zufallsjury im Publikum und durfte mit Luca Swieter ins Finale, in der die Aachenerin schließlich das bessere Ende für sich hatte. Ehrliche Freude über den Hexenturm aus Silber aus dem CF-Atelier bei Swieter: „Das ist das Coolste, was ich je bei einem Slam bekommen habe. Zuletzt gab es eine Picknickdecke.“

Wie sehr Poetry-Slam ein Zukunft in der Glasstadt hat, bewies auch die 16-jährige Lara Schmidt, die außer Konkurrenz zwei starke Texte vortrug, darunter ihren „Herzklopfen“-Gewinnertext „Lass mal fliegen“. Viele im Publikum waren wegen ihr gekommen. Nicht nur deswegen war der Applaus bei der Schülerin des Städtischen Gymnasiums besonders kräftig. Auch die anderen Slammer bestätigten: „Ein großes Talent!“

Poetry-Künstler rocken den Hörsaal

In einem knappen Finale gewinnt die belgische Berlinern Jesse James LaFleur den 16. RheinHexenSlam.

Wie versprochen hochkarätig war die Besetzung des RheinHexenSlams im großen Hörsaal auf dem Rheinbacher Campus. Moderator und Schüttelreim-Ikone Lasse Samström vermisste das Sofa bei der Kooperationsveranstaltung mit der Hochschul- und Kreisbibliothek nur in einer ironischen Zwischenbemerkung. „Zu Gast auf dem Sofa“, wie das etablierte Autorenformat von Bibliotheksleiter Dr. Armin Erhardt heißt, war nicht wörtlich zu nehmen. Zu Gast auf dem Klappsitz träfe es da schon eher. Rund 50 Studenten mischten sich unter 200 weitere Besucher. Der RheinHexenSlam hat mittlerweile eine treue Fangemeinde. Und die dürfte nach dieser Ausgabe nicht kleiner geworden sein.

Die „wunderhübsche Lottofee“ Liam hatte es fertig gebracht, die sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Dichterwettstreits in einen „Mädchen- und einen Jungenblock“ (O-Ton Samström) zu wählen. Den unbeliebten ersten Startplatz erhielt die 21-jährige Lisa Oberstebrink aus Düsseldorf. Ihre 40 Punkte mit einer Liebeserklärung konnte sie zwar durch einen ambitionierten Text gegen die sexuelle Belästigung in der Rückrunde noch auf 86,5 Punkte hieven, doch das reichte trotzdem nur für Platz sechs in dem starken Feld. Mit Julia Szymnik aus Marburg („Schön, dass du da bist.“) nahm die Veranstaltung Fahrt auf. Bei einem Mitmachteil musste das Publikum „Ich will naiv sein!“ brüllen, z.B. nach der Aussage: „Ich will glauben, dass die AfD Alternativen für Deutschland bietet.“

Die 30-jährigen Weltenbummlerin Jesse James LaFleur, stammt aus der Wallonie, heißt wirklich wie die Wildwestlegende und ist eine echte Rampensau. Ihren Text über die Pressefreiheit aus der Sicht von Schreibgeräten performte sie so ausdrucksstark, dass die Jury 45,5 Punkte spendierte. Der Hamburger Danny Grimpe brachte als cooler Nerd den Hörsaal zum Lachen mit Ausführungen über sein tragisches Liebesleben (47,5 Punkte). Auch der Kölner Nils Frenzel setzte auf Humor und parodierte gekonnt die Kennenlernphase im Master-Studium (44,5).

Ganz anders der still-charmante Artem Zolotarow aus Mainz, der einen Text aus der Perspektive der Angst darbot, die den „Wirtsmenschen“ in perfekt mephistotelischen Versen anspricht („Erzähle niemandem von mir, nur so bleib ich bei dir …). Dies und sein Rückrundentext über „Max und Melanie“ katapultieren ihn mit insgesamt 92 Punkten ins Finale. Hier wartete Jessy James auf ihn, die mit dem autobiographischen „So lange du die Füße unter meinen Tisch stellst …“ die exakt gleiche Punktzahl erreichte. Julia Szymnik kam mit „Herzschlag“ auf Platz drei (91 Punkte).

Die beiden Finalisten zeigten dann, wie vielseitig das Format Poetry-Slam ist. Artem rührte mit seiner Betrachtung über seine persönliche Migrationserfahrung und die seiner sowjetischen Familie zu Herzen. Jesse konterte und gewann schließlich mit einer brillanten Collage aus Schlagertexten: „Es ist so schwer oder: Als der Schlager mich schlagartig erschlug.“ Für sie gab es den HexenTurm in Silber aus dem CF-Atelier von Nadia Fassbender und für alle Künstler eine Literflasche Rheinbacher Brauhausbier. Lasse Samström berichtete an dieser Stelle zum Vergnügen des Publikums, dass er neulich vom gesammelten Flaschenpfand des Kult-Getränks prächtig im Brauhaus gegessen habe (Fünfzehn mal 2,50 €. Ich konnte nicht mehr Papp sagen“).

Steffi Scherer vom Veranstalter RHEINBACH LIEST freute sich mit Martin Prüser (Öffentliche Bücherei St. Martin) und Christoph Ahrweiler (Buchhandlung Kayser) über das konzentriert zuhörende Publikum: „Bei allen 14 Texten ist es dran geblieben.“ Die selbständige Graphikerin zeichnet auch verantwortlich für das neue Programmleporello des rührigen Vereins. Es wird derzeit in einer Auflage von 10.000 Stück in Rheinbach und der Region verteilt. Dort findet sich auch das neueste „Baby“ wieder, der „Konfetti-Slam“ am 3. Februar 2017. Es ist kulturell eine Menge los in der Glasstadt. Das findet auch der Ex-Pallottiner Lasse Samström. Er schließt nach warmem Schlussapplaus mit den Worten: „Bleibt hier wohnen, denn Rheinbach ist eigentlich ganz cool.“

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