Herz trifft Zwerchfell

Begeisterter Beifall beim Rheinbach-liest-Abend „tȇte-à-tȇte“ mit der Liedermacherin Anika Auweiler und der Lesebühne „Stuss mit Lustig“ im CF-Atelier. Erlös für die „Bücherüberraschung“ und den Waldkindergarten.

Eine Lesebühne, die sich „Stuss mit Lustig“ nennt und bevorzugt Zwerchfellattacken reitet und die gefühlvollen Lieder eine brillanten Sängerin – passt das zusammen? Es passte. „Gerade die Mischung hat mich voll abgeholt“, befand Gastgeberin Nadia Fassbender und sprach damit dem Publikum aus dem Herzen.

Zudem ist die sympathische Wahlberlinerin Auweiler mit einem herrlichen Mutterwitz ausgestattet und frotzelte bedenkenlos mit einem Gast aus der ersten Reihe: „Normalerweise gibt man ja nicht zu, dass man aus Leverkusen kommt.“ Mit fantastisch getexteten Liedern wie „Es geht gut aus“, „Liebe für mich“ und „Regentropfen“ schaffte sie es, das Publikum zu berühren. Ganz ohne Effekte füllte die weiche und zugleich kraftvolle Stimme der Künstlerin den Raum aus.

Die musikalischen Blöcke lösten sich regelmäßig mit kurzen Lesestücken ab. Der Erftstädter Johannes Engel eröffnete mit pointenreichen Gedichten über Ministergehirne und einen Orientierung suchenden Fallschirmspringer, die er in unnachahmlich verschmitzter Manier vortrug. Julius Esser aus Brühl berichtete Selbsterlebtes aus dem Straßenverkehrsamt in Hürth und kitzelte das Zwerchfell der begeisterten Zuhörer. Der Rheinbacher Gerd Engel suchte nach den besonderen Merkmalen der Rheinbacher und kam nach einem humorvollen Parforceritt durch die Geschäftswelt entlang der Hauptstraße zu dem Schluss, dass sich die Rheinbacher Identität letztlich vor allem durch die dünkelhafte Abgrenzung zum „gemeinen Apfelstädter“ ergebe.

Originell auch der gemeinsame Block „Genial oder trivial?“. Bei diesem lasen die Protagonisten des Abends Kostproben aus dem Rheinbacher Bücherschrank vor. Manchmal nicht so einfach, gewöhnlichen Kitsch von delikaten „tȇte-à-tȇte“-Passagen aus der Hochliteratur zu unterscheiden. Zum Ausklang besangen sie die gute alte Weihnacht in den 50er und 60er Jahren in der Parodie eines Metallica-Songs: „Alles voller Lametta“.

Der Erlös des Abends ging zur Hälfte an die Aktion „Bücherüberraschung“ von Rheinbach liest e.V. und zur anderen Hälfte an den von einem Brand betroffenen Waldkindergarten, denn „die Bücher in den Bauwagen sind ja ebenfalls verbrannt. Da muss jetzt etwas Neues her!“, so Rheinbach-liest-Vize Gerd Engel in spontaner Abstimmung mit dem Team aus dem CF-Atelier.

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