Rheinbach liest vor: Sehr zu empfehlen …

Bei der Vorstellung der neuen Empfehlungsbroschüre „VORLESEN“ in der Öffentlichen Bücherei St. Martin herrscht bei den Initiatoren von Rheinbach Liest und seinen Kooperationspartnern Stolz vor.

Auf 20 Seiten findet sich eine praxiserprobte Positivauswahl von Kinder- und Jugendbüchern. Die Spanne reicht von 2 bis 16 Jahren. „Wir haben zu unserer eigenen Entlastung den Erscheinungstermin so verschoben, dass wir in aller Ruhe die für uns schönsten Bücher aus dem Erscheinungsjahr 2018 aussuchen konnten“, erklärt unsere 1. Vorsitzende Monika Flieger als Kopf des kleinen Redaktionsteams.

Die Auswahl ist natürlich subjektiv und die kurzen Besprechungen deswegen meist personalisiert. „Das macht unsere Broschüre auch so besonders“, findet Melanie Kriegel, die nicht nur mit der ganzen Familie „testgelesen“ hat, sondern auch dem RLV-Redaktionsteam angehört. Leseratten, Bücherfreunde, Pädagogen, Buchhändler, Büchereimitarbeiter und engagierte Mitglieder des Vereins zur Leseförderung haben ihre Empfehlungen hinterlassen.

Für die professionelle graphische Arbeit hat Steffi Scherer von der Agentur „adfacts“ wieder einmal einige Nachtschichten eingelegt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die im Vergleich zum Vorjahr leicht erhöhte Auflage von 5.000 Exemplaren wird derzeit über die Kitas und Schulen sowie an den diversen Auslegestellen in Rheinbach, Meckenheim und Swisttal an die Familien verteilt.

Auch Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz ist zur Präsentation gekommen. „Es ist beeindruckend, dass dieses Gesamtkunstwerk bereits sieben Jahre hintereinander erscheint und immer wieder neue Akzente setzt“, so der sichtlich stolze erste Bürger und nimmt sich gleich ein paar Exemplare mit, bevor er zu einer Ausschusssitzung entschwindet. Buchhändler Christoph Ahrweiler und Büchereileiterin Daniela Hahn fachsimpeln derweil über ihre persönlichen Favoriten und stellen fest: „Zum Glück geht der Nachschub nie aus.“

„In diesem Jahr haben wir auf einer Themenseite mit Sachbüchern und Geschichten über Bienen einen Schwerpunkt gefunden“, erläutern Nicole Denke und Elke Weyers aus dem Redaktionsteam und gestehen, dass in diesem wachsenden Segment der Neuerscheinungen die Auswahl besonders schwer gefallen sei.

Die weitere Planung sieht vor, dass insbesondere die Grundschulbüchereien und Kitas nun mit einer individuellen Auswahl der ausgezeichneten Bücher ausgestattet werden. „Wir wollen nicht nur einen Leitfaden für gute Kinder- und Jugendliteratur anbieten, sondern auch die Einrichtungen in Rheinbach beim Aufbau und Erhalt eines guten Buchbestands unterstützen“, kündigt Monika Flieger an. Dabei hilft nicht nur die Vereinskasse von Rheinbach Liest sondern vor allem eine großzügige Spende der Fassbender-Tenten-Stiftung.

Die Broschüre kann als PDF-Datei kostenlos heruntergeladen werden.

Herz trifft Zwerchfell

Begeisterter Beifall beim Rheinbach-liest-Abend „tȇte-à-tȇte“ mit der Liedermacherin Anika Auweiler und der Lesebühne „Stuss mit Lustig“ im CF-Atelier. Erlös für die „Bücherüberraschung“ und den Waldkindergarten.

Eine Lesebühne, die sich „Stuss mit Lustig“ nennt und bevorzugt Zwerchfellattacken reitet und die gefühlvollen Lieder eine brillanten Sängerin – passt das zusammen? Es passte. „Gerade die Mischung hat mich voll abgeholt“, befand Gastgeberin Nadia Fassbender und sprach damit dem Publikum aus dem Herzen.

Zudem ist die sympathische Wahlberlinerin Auweiler mit einem herrlichen Mutterwitz ausgestattet und frotzelte bedenkenlos mit einem Gast aus der ersten Reihe: „Normalerweise gibt man ja nicht zu, dass man aus Leverkusen kommt.“ Mit fantastisch getexteten Liedern wie „Es geht gut aus“, „Liebe für mich“ und „Regentropfen“ schaffte sie es, das Publikum zu berühren. Ganz ohne Effekte füllte die weiche und zugleich kraftvolle Stimme der Künstlerin den Raum aus.

Die musikalischen Blöcke lösten sich regelmäßig mit kurzen Lesestücken ab. Der Erftstädter Johannes Engel eröffnete mit pointenreichen Gedichten über Ministergehirne und einen Orientierung suchenden Fallschirmspringer, die er in unnachahmlich verschmitzter Manier vortrug. Julius Esser aus Brühl berichtete Selbsterlebtes aus dem Straßenverkehrsamt in Hürth und kitzelte das Zwerchfell der begeisterten Zuhörer. Der Rheinbacher Gerd Engel suchte nach den besonderen Merkmalen der Rheinbacher und kam nach einem humorvollen Parforceritt durch die Geschäftswelt entlang der Hauptstraße zu dem Schluss, dass sich die Rheinbacher Identität letztlich vor allem durch die dünkelhafte Abgrenzung zum „gemeinen Apfelstädter“ ergebe.

Originell auch der gemeinsame Block „Genial oder trivial?“. Bei diesem lasen die Protagonisten des Abends Kostproben aus dem Rheinbacher Bücherschrank vor. Manchmal nicht so einfach, gewöhnlichen Kitsch von delikaten „tȇte-à-tȇte“-Passagen aus der Hochliteratur zu unterscheiden. Zum Ausklang besangen sie die gute alte Weihnacht in den 50er und 60er Jahren in der Parodie eines Metallica-Songs: „Alles voller Lametta“.

Der Erlös des Abends ging zur Hälfte an die Aktion „Bücherüberraschung“ von Rheinbach liest e.V. und zur anderen Hälfte an den von einem Brand betroffenen Waldkindergarten, denn „die Bücher in den Bauwagen sind ja ebenfalls verbrannt. Da muss jetzt etwas Neues her!“, so Rheinbach-liest-Vize Gerd Engel in spontaner Abstimmung mit dem Team aus dem CF-Atelier.

Frau Honig, Samsquatsch und kleine Gespensterempörung

Bei „Laut oder deutlich!“, dem Rheinbacher Vorlesewettbewerb der Grundschüler, gab es unterhaltsames Vorlesen auf hohem Niveau vor mehr als 100 Zuhörern.

„Ihr habt uns wirklich begeistert und uns Lust auf Kinderbücher gemacht“, meinte das Moderatoren-Duo Melanie Kriegel und Gerd Engel von Rheinbach liest zu den neun Mädchen und drei Jungen, die an ihrer Grundschule für die Vorleseshow ausgewählt worden waren beim Schlussapplaus in der Aula der KGS Merzbach.

Die Aufregung war mit den Händen zu greifen, als der 9-jährige David Thies (GGS) mit einer Passage aus Valija Zincks großartigem neuem Buch „Drachen erwachen“ den Reigen eröffnete. Immer zu dritt kamen die vom einem 9-köpfigen Coaching-Team des Vereins zur Leseförderung gut vorbereiteten Kinder auf die Bühne. Nach einem kurzen Aufwärmgespräch ging es jeweils mit Applaus an das Mikrophon.

Johanna Jaschob von der Wormersdorfer Grundschule sorgte für herzliche Lacher, weil sie eine Restaurant-Szene aus Paul Maars „Am Samstag kam das Sams zurück“ so gekonnt vorlas. Damit sollte sie später den 2. Platz belegen. Yayi Obliers von der gastgebenden Grundschule in Merzbach bekam sogar Szenenapplaus und genoss seinen Auftritt bei Jana Freys „Achtung, streng geheim!“ sichtlich. Nele Berger (KGS Flerzheim) hatte mit Band 1 von „Mr. Griswolds Bücherjagd“ von Jennifer Chambliss ein Kleinod für fortgeschrittene Bücherfans ausgesucht.

Vor der Pause setzte auch Fiona Müdder (GGS) mit Preußlers Kinderbuchklassiker „Das kleine Gespenst“ ein Ausrufezeichen. Das kleine Gespenst empört sich über den Bürgermeister, der nicht an den „Gespensterquatsch“ glaubt und jagt ihm einen gehörigen Schrecken ein. Fiona verstellte dabei so  temperamentvoll die Stimme, dass der alte Text wieder ganz frisch wirkte.

Nach der Pause ließ das Niveau keinesfalls nach. So überzeugte Lelia Teichmann (KGS St. Martin) mit einer Stelle aus Sabine Bohlmanns „Und plötzlich war Frau Honig da“, in der das an Mary Poppins erinnernde neue Kindermädchen Frau Honig den kleinen Hugo mit Humor und Magie ins Bett bringt. Lelia las die Erzählerstimme bewundernswert artikuliert, mit der nötigen Zurückhaltung und fein dosierter Spannung, drehte beim Fantasiedialekt Frau Honigs aber komödiantisch auf.

Gekonnt erzeugte Lena Paetzhold (GGS) mit ihrer Stimme gruselige Spannung bei Cornelia Funkes „Gespensterjäger auf eisiger Spur“.  Emma Henn (KGS Wormersdorf) arbeitete die etwas selbstbezogene Vornehmheit von Lililane Susewinds Katze „Frau von Schmidt“ perfekt heraus und wirkte dabei absolut gelöst und souverän. Ein starker Auftritt, ebenso wie der von Henrike Geers (KGS St. Martin) bei „Ella in der Schule“ von Timo Parvela, die dem lakonisch-naiven Erzählstil der Ich-Erzählerin Ella, die sich um ihren Lehrer sorgt, der „bestimmt erpresst wird“, perfekt aufnimmt. Auch Zoe Wingbermühle (GGS), Danilo Braun (KGS St. Martin) und Lara Frömbgen (KGS Merzbach) zeigten an dem kurzweiligen Nachmittag ihr großes Können und durften im Applaus baden.

Während sich die Jury zur Entscheidungsfindung zurückzog, bekamen das Publikum und die zwölf Teilnehmer noch eine Kostprobe der Vorlesekunst von Victoria Schaay zu hören. Die 12-jährige Siegerin des Deutschlandfinales las aus „Despereaux“ (Cate diCamillo) , dem Buch, mit dem sie im vergangenen Mai über die Hürde des NRW-Entscheids gesprungen war. Auch jetzt gab es wieder tosenden Jubel der stolzen Rheinbacher. Victoria hatte übrigens 2015 das erste „Laut oder deutlich!“ gewonnen.

Daher waren alle besonders  gespannt, wen die Jury aus Kindern und Erwachsenen diesmal hervorheben würde. Bewertet wurden von Buchhändler Christoph Ahrweiler und den ander Juroren Lesetechnik, Gestaltung und Textauswahl.

Ja, und dann waren es gleich zwei, die mit exakt gleicher Punktzahl als Siegerinnen durchs Ziel gingen: Fiona und Lelia! Sie bekamen mit Johanna (2. Platz) Buchgutscheine der mitveranstaltenden Buchhandlung Kayser. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer durften sich noch ein Buch von der durch Harvey Scherer (4events) professionell ausgeleuchteten Bühnendekoration aussuchen. Dr. Raffael Knauber, 1. Beigeordneter der Stadt Rheinbach, hatte mit Victoria Schaay die Siegerehrung übernommen und bekundete: „Ich bin froh, dass der Bürgermeister in Togo weilt und ich heute für ihn einspringen durfte. Eine tolle Veranstaltung!“  Auch Daniela Hahn von der mitveranstaltenden Öffentlichen Bücherei St. Martin fand „das Niveau extrem hoch.“ Den Erlös der Cafeteria spendete das Lehrerinnenteam um Merzbachs Schulleiterin Sandra Bures für den durch einen Brand geschädigten Waldkindergarten.

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