Zarter Regen erst bei „Reisende Rentner“

Beim ersten „Liedstrich“-Open-Air vor 300 Zuhörern auf dem Altstadtplatz in Rheinbach traten die Kölner Singer-Songwriter Catherine de la Roche, Jan Kalter und Dagmar Schönleber mit hiesigen Talenten auf.

Petrus hatte ein Einsehen. Trotz gewittriger Schwüle und Gewittergrollen blieb das große Donnerwetter aus. Im Laufe der drei Stunden Programm kamen insgesamt gut 300 Musikfreunde auf den immer beliebter werdenden Platz zwischen Weiher- und Pützstraße. Einige waren nur auf ein Eis ins „Eiswerk“ gekommen und blieben dann, verzaubert durch die vorwiegend zarten Klänge des hiesigen Songwriter-Nachwuchses. Für andere war dieser Nachwuchs genau der Grund. „Wir haben selbst musikverrückte Kinder und wollten, dass sie sich von der Talentbühne inspirieren lassen“, erzählt eine Familie aus dem Hochschulviertel.

Insgesamt sieben Darbietungen von ein bis zwei selbst verfassten Liedern gab es im einstündigen Vorprogramm bei der „Talentbühne“. Mit Lena Huckemann (14), Schülerin des SGR, fing gleich die Jüngste an und zeigte sich erstaunlich souverän. Sofort machte sie klar, dass der Name „Talentbühne“ zu Recht bestand. Studentin Stefanie Schlösser (20) von der Band „Churchillers“ performte zwei ihrer zauberhaften spanischen Lieder. Christiane Bröckelmann, begleitet von Dirk Plücker am Piano, sang mit gehörig Selbsironie von ihrem Nebenjob als Fußballmutter. Christina Hagen (36) verriet, ebenfalls begleitet von Dirk Plücker (dirkundichundjetztauchnochjan-paul), bei ihrem „Diese Zeit“ von einer entscheidenden Weichenstellung in ihrem Leben. Eine starke Stimme!

Fabienne Löhr (33), Sängerin bei „Feinsliebchen“ und „Churchillers“ und bereits mit Liedstrich-Erfahrung, präsentierte sich als erfahrene Singer-Songwriterin mit ordentlich Soul. Dann war wieder Zeit für den Nachwuchs. Maike Zimmermann (15), Schülerin des SJG, spann mit weichem Sopran einen zarten Erzählfaden. Vor allem ihr „Prisoner“ ging sofort ins Ohr und ins Herz. Das Trio Mareyma, ebenfalls drei Schülerinnen des SJG, nutzten die Mehrstimmigkeit, um in zwei Liedern auf Englisch einen wunderbaren Klangteppich zu weben.

Dann kamen die Profis, die Moderatorin Anke Fuchs erfolgreich zum nun schon neunten Mal stattfindenden „LiedStrich“ nach Rheinbach gelockt hatte. Catherine de la Roche (32) präsentierte sich als versierte Geschichtenerzählerin und baute sich mittels Loop-Station live ein formidable Begleitung für ihre poetischen Texte zusammen. Jan Kalter (27) pries seine Lieder selbstironisch an, als „eher zum Runterkommen“. Mit einer Stimme zwischen James Blunt und Ed Sheeran sorgte er mit seinen Folkballaden für Gänsehaut. Als die Kabarettistin Dagmar Schönleber die Bühne betrat, hatte sich der Himmel schwarz gefärbt, was dafür sorgte, dass sich der Altstadtplatz merklich leerte. Die, die unter den Sonnenschirmen ausharrten, wurden für ihren Mut belohnt. „Ich kann die ernsten Lieder nicht so richtig“, warnte die aus dem Fernsehen bekannte Ost-Westfälin und bezog das Publikum bei Liedern wie „Midlife-Chrisler“ und „Reisende Rentner“ gekonnt mit ein. Auch Petrus schien das zu gefallen, und er verschonte den Altstadtplatz  weitgehend. Nur wenige Tropfen fanden ihr Ziel.

Es war sogar noch Zeit für die Zugaben. Maike Zimmermann hatte der Jury aus den drei Profis besonders gut gefallen und durfte ihr „Prisoner“ noch einmal singen. Dann rundete das traditionelle „Lied des Abends“, das nach der Blinddichtmethode zu den Reizwörtern „Eis“ und „Sommer“ von den Künstlern parallel zur Veranstaltung getextet worden war, den Abend humorvoll ab. Profis und Talente versammelten sich dazu noch einmal unter dem Bühnenzelt.

„Eine wunderbare Sache für Rheinbach“, lobte Bürgermeister Stefan Raetz die Veranstalter von „Rheinbach liest“, die zusammen mit den Teams von „Eiswerk“ und dem Restaurant „die Küche“ sowie Harvey Scherer von 4events, diesen Abend möglich gemacht hatten. Der nächste Liedstrich ist im Herbst geplant. „Dann sind wir erst mal wieder drinnen“, seufzte Gerd Engel, Rheinbach-liest-Vize, erleichtert und zufrieden.

Songwriter-Talente und Profis auf dem Altstadtplatz in Rheinbach

Für das LiedStrich-Konzert, u.a. mit Dagmar Schönleber, am 27. Mai ab 17:00 Uhr auf dem Altstadtplatz unter freiem Himmel werden noch Talente gesucht. Das „Eiswerk“ wird Unterstützer des beliebten Singer-Songwriter-Formats von Rheinbach Liest und stellt auch gleich die Terrasse des benachbarten Restaurants „die Küche“ als Bühnenstandort zur Verfügung.

„Der Altstadtplatz hat sich in den letzten beiden Jahren zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Daran sind wir nicht ganz unschuldig“, schmunzelt Kerstin Schillo-Nolden, die zusammen mit ihrem Mann Christopher Nolden an diesem Ort das Restaurant „die Küche“ und das „Eiswerk“ betreibt. „Wir freuen uns, dass der Platz mit dem ersten LiedStrich-open-air nun auch kulturell belebt wird.“

Gerd Engel, 2. Vorsitzender von Rheinbach Liest, hat sich nach eigener Aussage schon vor Jahren in den Altstadtplatz verliebt, als er mit seinem Verein hier öfter mal eine temporäre „Lesewiese“ für die Schulkinder aus Merzbach organisierte: „Mir gefiel, das er abseits des Verkehrs liegt und doch zentral ist. Er ist gemütlich, vom Ambiente beinah malerisch, ein schlummerndes Aschenputtel. Durch die gut laufende Restauration ist Aschenputtel wachgeküsst worden und zeigt sich in ganzer Schönheit. Nun will es auch etwas erleben.“

Das Singer-Songwriter-Konzert „LiedStrich“ mit der Kölnerin Anke Fuchs als Moderatorin ist eines der jüngsten Projekte des Kulturvereins. Selbstgeschriebene und gut getextete Lieder, eine behutsame Intrumentierung, bei der einem nicht die Ohren wegfliegen, Geplauder über Lieblingsbücher und die Bezahlung der Künstler durch das Publikum gehören zum Konzept des Formats, das zuletzt auch auf der Kleinkunstbühne in Morenhoven ein Gastspiel gab. Nun also der Altstadtplatz. „Hier, wo viele nette Leute gemütlich ihr Eis essen, passt der LiedStrich gut hin“, findet Engel.

Die Verbindung zu den Eheleuten Nolden währt schon lange. „Die erfolgreichen Gastronomen unterstützen seit Jahren unser Engagement bei der Leseförderung“, erläutert Steffi Scherer. „Als wir bei einem Eis über einen unterstützenden Partner für unseren LiedStrich nachdachten, kamen wir schnell auf das ‚Eiswerk‘.“

Bei der Premiere am Ende der Pfingstferien gibt es erstmals ein richtiges Vorprogramm mit einer einstündigen „Talentbühne“. Hierfür können sich vorab Talente melden, die ihre eigenen Lieder singen. So wie zum Beispiel die 14-jährige Lena Huckemann, Schülerin des SGR und die 15-jährige Maike Zimmermann, die die 9. Klasse des SJG besucht. Jüngst beim Lesefest „Seitenknistern“ zeigten die beiden Musikschülerinnen der Musikschule Voreifel und Sängerinnen des Jugendchores „Young Voices“ schon ihr Können. Gerd Engel lobt: „Beide machen schon tolle Songs, begleiten sich an der Gitarre und singen so fantastisch, dass wir Gänsehaut bekommen haben.“ Auf der Teilnehmerliste stehen derzeit noch drei weitere „locals“. Nicht alle sind so jung, wie Lena und Maike. „Aber es ist nie zu spät, ein Talent zu werden“, weiß Engel aus eigener Erfahrung und freut sich auf weitere Anmeldungen und einen Becher seiner Lieblingssorte „Salzkaramell“.

Wer auf der Talentbühne besonders überzeugt, darf ins Hauptprogramm ab 18:00 Uhr. Da hat Moderatorin Anke Fuchs ein hochklassiges line-up zusammengestellt: Dagmar Schönleber, Jan Kalter und Catherine de la Roche. „Dass eine Dagmar Schönleber, die regelmäßig im Fernsehen auftritt, bei uns in Rheinbach in den Hut spielt, ist einfach sensationell“, schwärmt Kerstin Schillo-Nolden und hofft auf viele Besucher und gutes Wetter, „damit wir nicht unters Zelt müssen.“ Der Eintritt am 27. Mai ist frei, für das leibliche Wohl zu volkstümlichen Preisen sorgt „die Küche“. Die technische Durchführung liegt in den bewährten Händen von Harvey Scherer (4events).

LIEDSTRICH goes Morenhoven

Rheinbachs Singer-Songwriter-Format LiedStrich gibt am 5. Mai um 20:00 Uhr ein Gastspiel in Morenhoven. Auf der Bühne des kreaforums tummeln sich ambitionierte Newcomer mit vorwiegend deutschen Texten.

Aus Köln kommt die Gruppe RANDFIGUR. Ihr Markenzeichen sind gefühlvolle Klänge von Gitarre, Cajon, Ukulele zum zweistimmigen Gesang, Songs mit Ohrwurmcharakter oder zum Nachdenken. Mal leise und reduziert, mal voluminös und größer inszeniert.

Ijaz Ali aus Bad Hönningen ist seit 2012 mit seiner Gitarre als Solokünstler unterwegs, davor spielte er in diversen Bands. Seine Songs in englischer Sprache reichen von rhythmisch-schnellem Gitarrenpop bis zu ruhigen Balladen.

Sebo Sam, geboren am 28.08.1997 in Washington D.C., ist ein mysteriöser, verrückter und nichtineineschubladesteckbarer Improvisateur und Musik-Comedian.

Im Vorprogramm spielt das Rheinbacher Nichtschwimmer-Duo dirkundich (Dirk Plücker und Gerd Engel) Lieder zwischen Klamauk und Melancholie aus seinem Programm „Die Tomburg sieht alles“.

Der 8. LIEDSTRICH Ist die erste gemeinsame Veranstaltung von kreaforum und Rheinbach liest e.V. Die Moderation liegt in den bewährten Händen der Bonner Poetry-Slammerin Anke Fuchs.

Karten zum Preis von 10 € (ermäßigt 8 €) gibt es in der Buchhandlung Kayser sowie online unter www.kreaforum.de Restkarten an der Abendkasse.

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