Jörg Thadeusz brilliert beim Konfetti-Slam

„Ist der nett!“, wird sich mancher Besucher des neuen Konfetti-Slams gedacht haben. Der bekannte Radio- und Fernsehmann und Grimme-Preist-Träger Jörg Thadeusz hatte das 150-Narr-starke Publikum schnell für sich eingenommen. Bestens vorbereitet, locker und witzig, brachte er den Abend angesichts des zu 50 % vorwiegend zaghaft kostümierten Publikums im Rheinbacher Pfarrzentrum am „Pilleplätzche“ schnell auf einen Nenner: „Karneval für Aspekte-Seher mit freundlicher Unterstützung von OBI!“

Der erste Bühnengast war ein Rheinbach-liest-Aktivist der ersten Stunde. Gerd Engel erzählte, welche Mühen er auf sich nehmen musste, um seinen Lebenstraum erfüllt zu bekommen „von Jens Thadeusz, angesagt zu werden, oder doch von Dirk?“. Dabei streifte er satirisch häusliche Feed-back-Runden, sein schlechtes Namensgedächtnis sowie  seinen ungewollten Konsum von Muskelpräparaten und würzte seinen Vortrag mit einigem Lokalkolorit.

Die 20-jährige Anne Linscheid, alias Ella Anschein, aus Bonn performte emanzipierten Gangsta-Rap mit herber Intimschau, dass manchem Besucher die Ohren schlackerten. Die sympathische Poetry-Slammerin und Schauspielschülerin agierte erfrischend lebendig und auf hohem Niveau. Julius Esser wetterte in der Rolle des Marcel Reich-Ranicki gegen die Fehlentwicklung im Karneval und auch sein zweiter Text über seine verlorene Liebe zu „Madame Carnevale“ widmete sich diesem Thema. Der jugendliche Neu-Brühler beeindruckte durch Pointensicherheit, Bühnenpräsenz und Charme.

Ein besonderer Höhepunkt war der Auftritt von Christian Padberg, alias Dad’s Phonkey. Der Bonner Vokalartist, einigen Rheinbachern schon vom LiedStrich bekannt, wurde von einem Team Kamera-Team der WDR-Lokalzeit begleitet. Wie der Autodidakt nur mit Stimme, Beat-Boxing, seiner Loop-Station und einer wunderbaren Begabung verschiedene Sprachen zu imitieren alle möglichen Musikstile auf die Bühne zauberte, riss das Publikum zu Beifallsstürmen hin. Als besonderen Gag ließ er sich von Jörg Thadeusz immer wieder neue Fantasiekostüme umlegen, die einem Michael Jackson Ehre gemacht hätten.

Nach der Pause ließ sich der Ex-Pallottiner Florian Kalff  nach langer Zeit mal wieder als H.H. Florian Graf von Hinten ansagen und verlas im gewohnt ausgefeiltem Duktus passenderweise einen schreiend komischen Text über seinen Besuch einer Erotikmesse im Brückenforum. Es folgte der Mitmachtext „Der Mann beim Aqua-Jogging“, bei dem aus Spott des Erzählers, neidvolle Bewunderung wird, denn als Hahn im Korb braucht dieser Mann keinen Rivalen zu fürchten.

Die aufstrebende  Köln-Bonner Kultband „Bulle Wuh“ um Frontman Sascha Hardt sorgte dann für mächtig Dezibel und holte das Publikum mit eigenen Hits, wie „Ming sing Ding“, „Famillich“ und „Marieche“ von den Stühlen. Spätestens jetzt war „die Karnevalssitzung, die keine ist“, doch karnevalistisch geworden. Den Abschluss bildeten „De Breiköpp“ aus Wehr. Hinter dem Trio verbirgt sich Schreinermeister Kurt Gerhartz und seine Töchter Pia und Vera. Hinterher stand fest: In dieser Familie wird über alles gesprochen!

Steffi und Harald Scherer, die „Karnevalsabteilung“ von Rheinbach liest e.V., hatte sich den Konfetti-Slam ausgedacht und auch Jörg Thadeusz nach Rheinbach gelotst. Die beiden waren mit der Premiere äußerst zufrieden. Für das kommende Jahr haben sie schon einen richtigen Kracher auf der Set-List und hoffen natürlich, dass auch Jörg Thadeusz wieder dabei ist.

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