Mühlsteine werden zu Schminktischen

Das neue Format „fiction in the forest“ von Eifelverein und RHEINBACH LIEST startete am 2. September mit mehr als zwanzig Teilnehmern und vielen guten Ideen.

„Ich habe eine Boot gesehen“ schallt es über den Weiher am Forsthaus. Die 12-jährige Amélie Wüst ist in die Rolle des Hobbits Frodo geschlüpft. Der Zwerg Thorin (Sören Drilling) antwortet kraftvoll vom 40 Meter entfernten gegenüberliegenden Ufer und versucht dann vergeblich an das Boot zu gelangen, das die rettende Querung des Sees ermöglichen würde. Die mehr als zwanzig Teilnehmer zwischen 11 und 15 Jahren des neuen Formats „fiction in the forest“ bekommen die Stelle aus dem Abenteuerklassiker von J.R.R. Tolkien also nicht nur vorgelesen, sondern auch vorgespielt. Anschließend wird zur allgemeinen Belustigung versucht, in drei Gruppen das Problem aus der Handlung mittels schwimmender Schuhkartons und improvisierter Enterhaken nachzustellen und zu lösen.

Das grobe Konzept hatten sich Barbara Wüst vom Eifelverein und Gerd Engel von RHEINBACH LIEST im Anschluss an die Geschichtenwanderung für Vor- und Grundschüler ausgedacht. „Wir wollten nun ein Waldwander- und Naturerlebnis für ältere Kinder und Jugendliche schaffen, bei denen Bücher den roten Faden für Action und Kreativität liefern“, so der 2. Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Lesekultur. Barbara Wüst, die für viele Kinder- und Familienangebote in dem großen Angebot der Rheinbacher Ortsgruppe des Eifelvereins verantwortlich zeichnet: „Uns war es wichtig, bei der Planung schon die Zielgruppe mit einzubeziehen.“ In insgesamt drei Treffen mit dem Vorbereitungsteam, dem auch Sören und Amélie angehörten, wurden die Buchtitel und Textstellen ausgewählt und die kreative Feinarbeit geleistet. Zur Seite stand ihnen auch die Theaterpädagogin und Schauspielerin Monika Timme-Hafner von der Freilichtbühne Alfter.

Auf der fast dreistündigen Wanderung setzte die Vorbereitungsgruppe insgesamt sechs Bücher in Szene. Die beiden Mühlsteine am „Frischen Brünnchen“ wurden in der Vorbereitung eines Raubtierkampfes der Buchserie „Spirit Animals“ zu Schminktischen. Für die „Einhorn-Chroniken“ durften die drei Teams aus 200 Knickstäben riesige magische Bälle herstellen. Die 12-jährige Henrike bedauerte lediglich, dass es für ihren Auftritt als Dementor aus „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ eigentlich noch zu hell war: „Das hätten wir zeitlich später einbauen müssen.“

Zum Abschluss gab es die Einkehr im Eifelhaus, wo überbackene Brötchen, frische Waffeln und als Nachtisch eine Gruselgeschichte bei Kerzenlicht aus der Feder von Chris Priestley auf alle warteten. Barbara Wüst: „Die Resonanz war so gut, dass wir das Projekt im nächsten Jahr gerne wiederholen.“ Gut möglich, dass sich viele der Teilnehmer dann auch für das Vorbereitungsteam melden werden, denn „dabei haben wir schon so viel Spaß gehabt“, versicherte auch Tochter Amélie.

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