Magische Momente aus Musik und Literatur

Bei den zweiten „moments musicaux“ bezaubert der künstlerische Nachwuchs  der Musikschule Voreifel rund 90 Besucher in der bis zum letzten Platz gefüllten Galerie Alexandra B.

Karl Hempel und WDR-Sprecherin Regina Münch tragen auf dem nostalgischen Biedermeier-Sofa sitzend das Oskar-Wilde-Märchen „Die Nachtigall und der Rose“ vor. Ihre Stimmfarben ergänzen sich aufs trefflichste: Tief und sonor die von Hempel, hell und schwebend jene von Münch. Als das Märchen zu seinem traurigen Schluss kommt („Wirklich, die Liebe ist sehr unpraktisch …“), schweigt das Publikum ergriffen. Da heitert die Klarinette von Neele Seeberg-Elverfeldt die Stimmung mit jeder Note wieder auf. Begleitet von Paul Tintelnot am Klavier spielt die 13-Jährige einen Ausschnitt aus dem Petit Concert von Darius Milhaud. Zuvor hatten bereits Velia Elisa Pasquariello (Klarinette) und Jeanne Edimo Dicka (Klavier) die romantische Stimmung mit William Overlocks „Romance“ eingeleitet.

„Gerade die Mischung aus liebevoll ausgewählter, fein gelesener Literatur und gut gespielter Musik machen moments musicaux für mich so besonders“, meint Gastgeberin Alexandra Brandt, die zum zweiten Male ihre großzügig geschnittene Schmuck-Galerie zwischen Weiherstraße und Altstadtplatz für den „literarisch-musikalischen Salon“ zur Verfügung stellt. Im Geschäftslokal ziert seit ein paar Tagen ein historisches Klavier den Platz neben dem Sofa und soll „noch oft bei Kulturveranstaltungen gespielt werden“.

Eine amüsante Stelle aus Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ wird von Karl Hempel und Regina Münch mit dem Fagott von Lukas Restle (Duetto g-moll von Christoph Schaffrath) und dem Horn von Almut Nagel kombiniert und eingerahmt. Almut begleitet Lukas am Klavierund wird bei ihrem „En Irlande“ von Eugène Bozza, dann ihrerseits vom 17-jährigen Paul Tintelnot begleitet, der an diesem Nachmittag einen vielfachen Einsatz hat, weil er kurzfristig für Almuts Wettbewerbspartner Florian Plücker einspringen muss.

Nach der Pause warnt Karl Hempel das Publikum vor: „Alban Berg scherte sich nicht um musikalische Konventionen.“ Auch wenn die sogenannte Neue Musik des 1936 verstorbenen Schönberg-Schülers längst nicht mehr neu ist, so klingt sie auch 2019 für die Ohren vieler doch immer noch ungewohnt. Janik Nagel (Klarinette) und seinem Klavierpartner Paul Tintelnot gelingt eine atemberaubende, mit großem Beifall bedachte Interpretation des äußerst anspruchsvollen Opus 5 des Komponisten. Mit ihrer mit Höchstpunktzahl beim Landeswettbewerb “Jugend musiziert“ bewerteten Leistung waren sie übrigens bestes Duo ihrer Altersgruppe und qualifizierten sich für den Bundesentscheid im Juni. Perfekt zu diesem Beitrag passt der Textausschnitt aus Florian Illies „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“, der den entsetzten Reaktionen bei einem Konzert Neuer Musik in Wien ein literarisches Denkmal setzt. „Eine Konzertkarte gibt nur das Recht, das Konzert anzuhören, nicht aber, die Vorträge zu stören“, erklärte Arnold Schönberg später in Berlin einem Reporter der „Zeit“ seine Meinung zum sogenannten „Watschenkonzert“.

 

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Lesebühne „Stuss mit Lustig“

Am 5. April um 19:30 Uhr besucht die Lesebühne „Stuss mit Lustig“ das Ladenlokal von Optik Sichtweise in Rheinbach.

Hinter „StmL“ stehen Julius Esser, Johannes Engel und Gerd Engel. Esser ist ein erfolgreicher Literat und Veranstaltungsmacher im Zülpicher Siechhaus. Er habe es sich „offenbar zur Lebensaufgabe gemacht, seine Masterarbeit in Kulturwissenschaften erfolgreich auf die lange Bank zu schieben“, erklärt der Wahl-Brühler in einem seiner seltenen klaren Momente. „Aber Bachelor klingt ja auch viel besser, oder?“

Auf der Bank bleibt so außerdem noch Platz für den Meister der komischen Lyrik, Johannes Engel, Realschullehrer aus Erftstadt (Mathe und Physik) sowie seinem mitunter singenden Berufskollegen Gerd Engel (Kleines Einmaleins), der nach eigenen Angaben „mangels anderer Quellen, seine tägliche Inspiration der Lektüre des GA-Vorgebirgsteils entnimmt.“

Der große Durchbruch von „Stuss mit Lustig“ lässt bisher noch auf sich warten. Und die selbsternannten Weltversteher drohen an, es werde diesmal „noch papierlastiger“. Zur allgemeinen Erholung wird daher zwischendurch am Piano extrem gema-freies Liedgut von und mit Dirk Plücker dargeboten, der seine schwarzen Tasten gerne im ganzen Weilerfeld verstreut.

Karten gibt es im Vorverkauf zum Preis von 6 € oder an der Abendkasse (Zuschlag 2 €) bei Optik Sichtweise, Hauptstraße 55. „So viel Spaß für so wenig Geld“, meinen die drei StmL‘er treuherzig. Na, wer’s glaubt, der kann ja einfach mal hingehen.

Deutschlehrer in Jack-Wolfskin-Jacken

Der humoristische Tausendsassa Thomas Lienenlüke aus Köln gastiert am 22. März um 19:30 Uhr mit seinem Solo-Programm bei Optik Firmenich in Rheinbach.

Die Liste der Kabarettisten, Schauspieler, Moderatoren und Comedians mit denen er als Autor, Regisseur, Redakteur, Gagschreiber oder Coach bereits zusammengearbeitet hat, ist lang: Rudi Carell, Bastian Pastewka, Jürgen von der Lippe, Cordula Stratmann, Sabine Christiansen, Joachim Fuchsberger, Christoph Waltz, Anke Engelke und viele mehr. Dabei ist der studierte Germanist Thomas Lienenlüke meist im Hintergrund geblieben.

„Ich habe ihn als bescheidenen und klugen Menschen erlebt, der über Haltung und Witz verfügt und nebenbei wunderbar über Bücher erzählen kann“, berichtet Gerd Engel von Rheinbach Liest. Beim vorletzten Jahresempfang des Vereins zur Förderung der Lesekultur begeisterte Lienenlüke die Besucher mit humorvollen Texten und Liedern. „Das wollten wir uns und den Voreiflern mal einen ganzen Abend geben“, so Engel. Er sei stolz, dass „dieser viel beschäftigte Mann sich für uns einen Abend freigeschaufelt hat“.

Gastgeber und Unterstützer des Benefiz-Abends rund um die Absurditäten des Showgeschäfts und die geistreiche Sicht auf unseren Alltag ist Optik Firmenich. Das Ladenlokal des Rheinbacher Optik-Fachgeschäfts ist zugleich Ort des exklusiven Vergnügens, das nach einem von Lienenlükes Liedern benannt ist: „Deutschlehrer in Jack-Wolfskin-Jacken“. Der Eintritt ist frei. Spenden werden erbeten. Der Reinerlös ist für die Togo-Hilfe und Rheinbach Liest bestimmt. Platzreservierungen bei Optik Firmenich, Weiherstraße 2-6 in Rheinbach, unter der Emailadresse This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. oder 02226-4941.


Beachten Sie auch unsern aktuellen Flyer mit Veranstaltungen bis Mai 2019.

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