Wie das Riesenbuch nach Rheinbach kam …

Am Anfang stand eine weitergeleitete Mail von Heidi Möhker, Rheinbacher Autorin und Mitglied bei Rheinbach liest, Anfang November 2017. Die Autorenvereinigung SYNDIKAT, der sie angehört, habe wegen fehlenden Lagerplatzes  ein tolles Bühnenobjekt schweren Herzens abzugeben. „Lieber Vorstand, ist das was für uns?“

Wir kriegen dazu dieses Foto.

Das „Riesenbuch“ 3,50 hoch und 4,60 m breit. Der Erstbau wurde bei der Corine-Buchpreisverleihung eingesetzt und steht mittlerweile in Wien. Der verbesserte Nachbau einer Mönchengladbacher Firma für Objektdesign für das SYNDIKAT ist nun zu haben. Und es kostet dem Selbstabholer nichts.

Der Vorstand einigt sich per Mail. Sieht großartig aus! Aber wo sollten wir es lagern? Und wie den Transport bezahlen?

Mail von Gerd Engel an SGR-Schulleiter Herrn Schwarzer und Bürgermeister Stefan Raetz. Das wäre doch toll für Rheinbach. Können wir, wollen wir? Begeisterung allenthalben, aber diese durchaus noch unkonkret. Doch die erste Reaktion und das Wissen, dass es in Oberdrees zur Not reichlich Scheunen gibt, reichen Gerd Engel aber, um in einem Telefonat mit dem SYNDIKAT Ernsthaftes Interesse zu bekunden. Heidi hatte nämlich zur Eile geraten. Die Sympathie für SYNDIKATS-Frau Angelika Eßer ist gegenseitig und der im Gespräch transportierte Enthusiasmus, sollte einige Wochen später den Ausschlag.

Zunächst kommt der Hinweis von Frau Eßer per Mail: In Deutschland haben sich gleich mehrere Interessenten gemeldet. Das Syndikat wartet zunächst an und behält sich die Entscheidung bis Ende November vor.

Nachdem Herr Schwarzer zwischenzeitlich konkret den Requisitenkeller seiner Schule angeboten hat, schreibt Gerd Engel in der dritten Novemberwoche eine regelrechte Bewerbung und trägt mit dicker Farbe auf, was Rheinbach in Sachen Buchkultur zu bieten hat: Den Verein RHEINBACH LIEST, die Fülle von Büchereien, eine aktive Buchhandlung, die Formate, das Netzwerk, die Verbindung zum Kulturamt, die große Bühne des Stadttheaters und vieles mehr. Eine nachhaltige Nutzung, ein guter Lagerplatz und auch verkehrsmäßig sei Rheinbach gut gelegen, falls ein Verleih erforderlich sei. Und für den Transport habe der örtliche Baumarkt sein Unterstützung angeboten. Tatsächlich hatten die Eheleute Fassbender einen LKW von OBI bzw. Fassbender-Tenten zugesagt.

Am Nikolaustag kommt die Mail von Angelika Eßer. Rheinbach bekommt den Zuschlag. Andere Bewerber waren auch gut, aber der Enthusiasmus … s.o.

Nun wird es ernst. Der Hausmeister des SGR, Herr Weber, meldet in einem Gespräch mit Günter Detro Zweifel an, und ein Besuch von Gerd vor Ort bestätigt diesen schnell. Der Türdurchgang dürfte zu klein sein, die Stellfläche ebenfalls und bei Starkregen kriegt man hier nasse Füße. Aber sein Kollege, der „Werner“, der habe möglicherweise Platz. Auf dem „kurzen Dienstweg“ gehen die beiden hinüber zur alten Hauptschule. In warmen Worten schildert Herr Weber dem Kollegen Schneider unser Anliegen („Ich will dem Herrn Engel gerne helfen, der tut so viel und guckt, dass die Kinder ans Lesen kommen. Und für Rheinbach ist das eine tolle Sache.“), muss ihn aber nicht groß überzeugen. Herr Schneider macht sofort mit beim Tüfteln. Der „alte Fahrradkeller“ ist doch super und die Matten der Ringer könne man ja gemeinsam aufräumen um, richtig Platz zu schaffen. Ein Moment der Rührung, wie bereitwillig die beiden Hausmeister sich mit unserem Anliegen verbinden.

Die zuständige Sachbearbeiterin Frau Sondermann und der erste Bürger der Stadt in schnellen Mailantworten geben grünes Licht. Mit Rudi Kleefuß plant Gerd Engel die Abholung in Cadolzburg bei Nürnberg, wo die Elemente des Riesenbuchs in einem Lager des Verlags Ars Vivendi untergebracht sind. Auf der Weihnachtsfeier hört sich Melanie Kriegel den Plan an. Und dann kommt alles ganz anders. Melanie arbeitet bei der DHL und ihr Chef hat ein offenes Ohr, wenn Mitarbeiter sich gemeinnützig engagieren. Der kostenlose Transport durch die DHL wird zugesagt. Melanie koordiniert die Sache und am 29. Januar ist es so weit.

Für die Öffentlichkeitsarbeit wird die Historie des Buches noch einmal recherchiert. Unser Exemplar diente seit etwa 10 Jahren der Preisverleihung im Rahmen der „Criminale“, einer SYNDICATS-Veranstaltung  als Bühnen-Hingucker mit Funktion. Manfred Zapatka, Mechthild Großmann (Die Staatsanwältin aus dem Münstertatort), Joe Bausch (Gerichtsmediziner aus dem Köln-Tatort) und Christian Brückner, die Stimme Robert de Niros, haben hier schon für die zu ehrenden Autoren gelesen.

Die Liste der Preisträger enthält u.a. die Namen Nina George, Zoran Drenkvar, Maja von Vogel, Gisa Klönne und Judith Merchant. Eine ganz ordentliche Patina.

29. Januar 2018  Das Riesenbuch kommt nach Rheinbach …

Heike Laucks, Rudi Kleefuß, Joachim Weiß, Melanie Kriegel und die beiden großartigen Hausmeister Herr Schneider (Hauptschule/Gesamtschule) und Herr Weber (Städt. Gymnasium/Stadtheater). Melanies Chef bei der Deutschen Post hatte ein gutes Herz für unser Riesenbuch-Projekt und uns den Transport gestiftet.

Der Lagerplatz ist super frei geräumt (Danke an die Rheinbacher Ringer). Alles hat Platz, aber nicht alles ist da. Die Bespannung mit dem Buchtext fehlt und Rudi Kleefuß fände eine Aufbauanleitung auch nicht schlecht.

Die Aufbauanleitung wird aufgetrieben bei der Firma „Freimeister“ in Mönchengladbach, die das Objekt 2007/2008 nachgebaut und verbessert hat. Und für die fehlende Bespannung, die in der bisherigen Form neu über 800 Euro kosten würde, besorgt uns Harvey Scherer professionellen Bühnenstoff der höchsten Brandschutzklasse. Rudi Kleefuß fuchst sich in den Aufbau und ist optimistisch: Das kriegen wir hin. Die großen Bauteile drei Tage später vom alten Fahrradkeller der Hauptschule zum Bühneneingang des Stadttheaters zu transportieren, erweist sich „rollend“ als weniger mühsam als erwartet. Mit Gerd zusammen reichen ihm 45 Minuten.

Am Freitag, den 2. Februar startet der Aufbau des Unikats. Joachim Weiß, Rudi Kleefuß, Harvey Scherer und Gerd Engel, Letztgenannter mit mehr Leidenschaft als Können, bohren die ersten Teile zusammen. Am 6.2. für den Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs soll alles fertig sein.

Steffi wollte eigentlich nur Wasser vorbeibringen, aber dann soll es ja ordentlich aussehen …
Ist das schön geworden! Keiner vermisst den bedruckten Originalstoff, denn Harvey hat eine bessere Idee…

Mit Licht und Schatten spielen und mittels eines Beamers …die Schrift von hinten projizieren.

So wird der Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs zum Ereignis.

 


Beachten Sie auch unsere Veranstaltungen bis Juli 2018

„Rheinbacher Bücherkiste“ und Deutschlehrer in Jack-Wolfskin-Jacken

Mehr als 120 Besucher erfreuten sich bei „aufgeschlagen! 2018“, dem öffentlichen Jahresempfang von Rheinbach liest e.V., an den gereichten Kostproben von Lyrik, Lied, Literatur, Lesebühne, Poetry und Projekten.

Leidenschaft für Bücher! Anke Fuchs, die Moderatorin des Abends, liebt „Die Freundschaft“ von Connie Palmen, „das einzige Buch, das ich mehrmals gelesen habe.“  Und Thomas Lienenlüke, Kabarett-Comedy-Autor aus Köln, sagt von Joseph Roths „Radetzky-Marsch“: „Dieses Buch ist mein Lebensbuch!“ Ebenso fachkundig und hingebungsvoll wusste der studierte Germanist für Peter Grafs „Ungemein eigensinnige Auswahl unbekannter Wortschönheiten aus dem Grimmschen Wörterbuch“ zu werben und las gleich ein paar Kostproben. Dass er selbst sich auch auf das Schreiben versteht, bewies er mit pointenreichen Texten und Liedern über seine Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal als Bühnenkünstler („Mütze? Nee, die hat Thorsten Sträter schon.“), einem denkwürdigen Karnevalsauftritt im Münsterland oder „Deutschlehrern in Jack-Wolfskin-Jacken“.

In der ersten Halbzeit des von Anke Fuchs charmant moderierten Abends zog Vorsitzende Monika Flieger stolz und dankbar eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. „Neue Akzente setzen und Bewährtes pflegen: Lyrikwettbewerb „Herzklopfen“, Poetry-Slam und Bücherüberraschung  2017. Im neuen Jahr freue sie sich persönlich besonders auf das Lesefestival „Seitenknistern“ (19.4.-22.4.) und die Lyriktage (30.4.-5.5.)“, so Flieger.

Lyrik stand dann auch gleich im Mittelpunkt. Günter Detro las zwei Gedichte, mit denen er in der Wachtberger Anthologie für komische Lyrik vertreten ist und warb für das Format TextProbe (26.2.), als gute Möglichkeit, sich mit Selbstgeschriebenem vor einem Publikum zu zeigen. Johannes Engel, Mitglied der Lesebühne „Stuss mit Lustig“ (5.5.), lallte sich in seiner kruden Ballade kongenial durch die Reimwörter auf Wein und machte so Lust auf das Format „Bachus meets Lyrik“ (3.5.).


WDR-Sprecherin Regina Münch warb für die BücherStimmen (22. 3.) im Glasmuseum mit ihrem Kollegen Martin Groß und las mit den Schulsiegern des Vorlesewettbewerbs der weiterführenden Schulen Lara Volkmer, Tom Warhonowicz und Victoria Schaay, die am 6. Februar beim Kreisentscheid in der Aula des Städtischen Gymnasiums (Stadttheater) antreten. Der 8-minütige Auszug aus Claudia Schreibers Buch „Ein Solo für Clara“ wies auf eine für den Mai geplante Veranstaltung in Kooperation mit der Musikschule Voreifel hin. Dabei sollen Klaviertalente der Musikschule in einer szenisch-musikalischen  Lesung ihr Können zeigen.

Das Thema Vorlesen zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. „Gutes Vorlesen vor Publikum ist eine eigene Kunst, deren Stellenwert für die Persönlichkeitsbildung und die Vermittlung von Literatur man nicht hoch genug einschätzen kann“, so Rheinbach-liest –Vize Gerd Engel. „Deswegen freue ich mich so, dass wir es gemeinsam mit der Buchhandlung Kayser, der Öffentlichen Bücherei St. Martin und den Schulen geschafft haben, nicht nur den Grundschulwettbewerb „Laut oder deutlich!“ auszurichten und zum zweiten Mal den Kreisentscheid vor hunderten Kindern ausrichten zu dürfen, sondern auch den Entscheid für den ganzen Regierungsbezirk Köln.“ Der geplante Termin für den Bezirksentscheid ist der 19. April im Rahmen des Lesefestivals „Seitenknistern“.

Der Kölner Lienenlüke zeigte sich erstaunt und begeistert, was in der Glasstadt auf die Beine gestellt wird. Dabei sind die Veranstaltungsformate ja nur ein Teil der Kulturarbeit. Im Frühjahr wird beispielsweise die Bücherei St. Martin bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt (Neugestaltung von Logo und Faltblatt). Auch wurde das Ziel ausgegeben, das Modellprojekt der „Rheinbacher Bücherkiste“ von acht Prototypen nun in die Wachstumsphase zu schieben. Die Vision: In möglichst jedem Ladenlokal, in jedem Gastronomiebetrieb, bei jedem Dienstleister – also überall dort, wo Kinder warten − gibt es eine spezielle Kiste oder ein Regal mit Büchern.

Eine gewaltige Kraftanstrengung! Deswegen freuten sich die Rheinbach-liest-Aktiven nicht nur über einen äußerst gelungenen Abend, sondern auch über sieben neue Mitglieder und spontan eingegangene Spenden von mehr als 300 Euro.

Das vollständige Halbjahresprogramm, kostenlos und professionell erstellt von Steffi Scherer (adfacts), kann hier heruntergeladen werden.


Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs in Rheinbach

Am 6. Februar ab 9:00 Uhr treffen sich die besten Vorleser der Jahrgangsstufe 6  des Rhein-Sieg-Kreises I in Rheinbach in der Aula des Städtischen Gymnasiums (Stadttheater). Die 19 Schulsieger aus Bornheim, Meckenheim, Swisttal, Bad Honnef, Hennef, Königswinter und Rheinbach ermitteln, wer den Rhein-Sieg-Kreis I auf Regierungsbezirksebene vertreten darf.

Christoph Ahrweiler, Inhaber der Buchhandlung Kayser, der den Wettbewerb gemeinsam mit der Öffentlichen Bücherei St. Martin und Rheinbach liest e.V. ausrichtet: „Wir sind stolz, vom Börsenverein wieder gefragt worden zu sein, ob wir den Kreisentscheid ausrichten und machen das sehr gerne.“

Im letzten Jahr gelang es durch zwei Maßnahmen, den jungen Vorlesern ein großes Publikum zu verschaffen. Daniela Hahn, Leiterin der Öffentlichen Bücherei St. Martin: „Wir sind in die Unterrichtszeit gegangen und haben das große Teilnehmerfeld in zwei Blöcke geteilt, sodass die Veranstaltung für Besucher der fünften und sechsten Klassen der Rheinbacher Schulen zu bewältigen war.“

Gerd Engel von Rheinbach liest e.V. schwärmt immer noch: „In den beiden Blöcken hatten wir insgesamt 400 Besucher in der Stadthalle, überwiegend aus der gastgebenden Gesamtschule.“ Diesmal ist das Städtische Gymnasium Gastgeber. Die Aula der Schule, die zugleich das Stadttheater ist, bietet Platz für ganze Jahrgangsstufen und reichlich Besucher aus den anderen Städten. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen.

Bildunterschrift: Die Rheinbacher Schulsieger Tom Warhonowicz (Gesamtschule), Lara Volkmer (SGR) und Victoria Schaay (SJG) drücken sich gegenseitig die Daumen.

Schulsieger der Rheinbacher Gesamtschule Tom Warhonowicz und Victoria Schaay vom Sankt-Joseph-Gymnasium wurden in den ersten Block von 9:00 -11:00 Uhr gelost. Lara Volkmer vom Städtischen Gymnasium hat ein echtes Heimspiel und tritt als letzte im Block B an, der um 11:10 Uhr startet. Die Führenden der beiden Blöcke werden ca. ab 12:15 Uhr das Finale austragen.

Wie schon im letzten Jahr haben sich die drei Rheinbacher Kinder gemeinsam in der Öffentlichen Bücherei und der Buchhandlung Kayser vorbereitet und durften sogar mit WDR-Sprecherin Regina Münch beim Jahresempfang von „Rheinbach liest“ mit verteilten Rollen lesen und so gleichsam ein Anti-Lampenfieber-Training vor den 120 Besuchern absolvieren. „Die drei  haben das sehr gut gemacht. Sie lieben die Bücher, aus denen sie vorlesen“, lobt Regina Münch.

Moderieren werden den Kreisentscheid die Bühnenkünstler Julius Esser und Sarah Kersting. „Es soll ein Erlebnis für alle werden“, hoffen die beiden jungen Leute, die sich vom Poetry-Slam kennen. „Gut gestaltetes Vorlesen ist eine hohe Kunst und bekommt durch solch einen Wettbewerb den angemessenen Stellenwert. Damit lassen sich vielleicht sogar richtige Lesemuffel anstecken.“ Die gastgebende Schule, das Städtische Gymnasium, wird das Ereignis mit der Technik-AG nach Kräften unterstützen. Und bei der Bühnengestaltung soll es eine echte Überraschung geben.

» Plakat zum Kreisentscheid

 


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