„Tȇte-à-tȇte“ im CF-Atelier: Lied trifft Lesebühne

Wir laden ein am 24. November um 19:30 Uhr zu einem außergewöhnlichen tȇte-à-tȇte ins CF-Atelier von Nadia Fassbender ein.

Auf der stählernen Freitreppe steckt die Berliner Liedermacherin Anika Auweiler mit den rheinischen Spitzbuben Julius Esser (Brühl), Johannes Engel (Erftstadt) und Gerd Engel (Rheinbach) vom Lesebühnenensemble „Stuss mit Lustig“ die Köpfe zusammen. Hauptstadt trifft Provinz, „arm“ trifft „sexy“ und Goldkehle die Adamsäpfel. So lautet grob der Plan. Und das bei freiem Eintritt. Doch Obacht! Spenden für die AktionBücherüberraschung werden erbeten und rücksichtslos eingetrieben. Wegen einer vorangehenden Schmuckpräsentation im Atelier erfolgt der Einlass erst kurz vor Veranstaltungsbeginn.

Die gebürtige Leverkusenerin Anika Auweiler mit der Ausnahmestimme singt in kleinen Geschichten über weinende Helden, tanzende Skeptiker, verliebt Cowgirls und den Morgen danach. Sie trat bereits als Support von Größen wie Katzenjammer, Max Herre und Anne Haigis auf. Doch auch wenn Anika nicht singt, ist die ehemalige Bonner Bummelstudentin eine glänzende Unterhalterin.

Für das Lesebühnenensemble „Stuss mit Lustig“ ist Anika die Traumpartnerin. „Wir können in unseren Texten ja nicht alle Facetten des menschlichen Lebens abdecken und vor allen Dingen dabei auch noch gut aussehen“, meinen die drei unisono. Während Johannes Engel für die humorvolle Lyrik zuständig ist und Julius Esser den jugendlichen Sturm und Drang verkörpert, kümmert sich Gerd Engel bevorzugt um die Sparte „Weltprobleme im Brennglas Rheinbacher“.

Bläser- und Gläserklang in der Weiherstraße

Der Wettergott meinte es gut mit den rund 60 in Weiß gewandeten Besuchern des „Diners en blanc“, die sich an den festlich gedeckten Tischen vor Optik Firmenich niederließen. Jeder war willkommen, Hauptsache man kam weiß gekleidet. Entsprechend stimmungsvoll ging es zum Ferienausklang in „Rheinbachs schönster Seitenstraße“ zu.

Diese besondere Form des „Social Dinings“, zum dritten Mal organisiert von der Togo-Hilfe und Rheinbach liest e.V., wird in der Glasstadt immer beliebter. Die größte Gruppe bildeten diesmal Bläser der Fidelia aus Wormersdorf. Der Musikverein mit seinem Prunkstück, dem Sinfonischen Blasorchester, steuert zielstrebig auf seinen 100. Geburtstag zu, der nur noch fünf Jahre entfernt liegt. Während die übrigen Besucher schon bei den mitgebrachten Köstlichkeiten, wie Lachsröllchen, deftige Blätterteigtaschen oder Stangenbrot mit verschiedenen Cremes, zugriffen, gab das Orchester unter der Leitung von Stefan Klein einige musikalische Kostproben seines Könnens. Den Anfang bildete sinnigerweise Roy Blacks „Ganz in Weiß“, es folgten Swing Klassiker, Abba-Hits und schöne Balladen wie „One moment in time“. Erst nach einer Zugabe „durften“ sich die Musiker endlich dem Hauptzwecks des Abends widmen und stießen stilecht mit Weißwein oder Kölsch an.

Rheinbach-liest-Vize Gerd Engel konnte neben den Fidelianern sowie Aktiven der ausrichtenden Vereine auch das neue Dreigestirn sowie einige weitere Gäste begrüßen. Er ermuntere alle, ungezwungen bei den Platten der Nachbarn zu räubern. Zu vorgerückter Stunde wurden noch einige Volkslieder angestimmt. Die umherwandernde Spendendose war am Ende mit einem stattlichen Betrag gefüllt. Die Togo-Hilfe kauft damit Schulbücher in Französisch, Rheinbach liest e.V. verwendet seine Hälfte für die Aktion „Bücherüberraschung im Advent“. „Die Spenden sind ein schöner Nebeneffekt. Wichtig ist vor allem die ungezwungene und anregende Atmosphäre eines solchen Picknicks in der Stadt“, zogen Michael Firmenich, für die Togo-Hilfe und RL-Vorsitzende Monika Flieger ihr Resümee.

Literarisches Fensterputzen und Stimmakrobatik unter „Jungen Sternen“

Eva Kraiss, Michael Baute und „Dad’s Phonkey“ brillierten im Rheinbacher Autohaus RKH (Mercedes).

„Wenn ‚Rheinbach Liest‘ die Hände mit im Spiel hat, wird es immer kurzweilig“ vergab Kulturamtsleiterin und Glasmuseumsdirektorin Dr. Ruth Fabritius Vorschusslorbeeren an die Veranstalter der dritten Begleitveranstaltung zum Rheinbacher Doppeljubiläum „70 Jahre Glasfachschule und 50 Jahre Glasmuseum“. Fabritius und die rund 100 Besucher von Gastgeber Axel Frey, Inhaber des Autohaus RKH, wurden diesbezüglich nicht enttäuscht, als es hieß „Ohne Probe ganz nach obe – Glas.Geschichten. Gesang“.

Der Bonner Vokalartist Christian Padberg alias „Dad’s Phonkey“ eröffnete mit einer Jazz-Improvisation die Bühne, die Veranstaltungsprofi Harvey Scherer (4events) inmitten hochglänzender Gebrauchtwagen der Sorte „Junge Sterne“ gebaut hatte. Das Besondere an Padbergs Kunst: Er benötigt für seine spontanen Arrangements in erster Linie seine Stimme, Mundpercussion, eine Loop-Station und kleine originelle Klangerzeuger, wie beispielsweise eine Handharfe. Den Rest erledigen seine musikalische Fantasie und sein Erfindungsreichtum in Sachen Sprachen. Padberg demonstrierte dem belustigten Publikum, welche Mundstellung es benötigt, um sein herrliches Kauderwelsch wie Spanisch, Englisch oder Bayrisch klingen zu lassen.

Anschließend war das Schauspielerduo Eva Kraiss und Michael Baute an der Reihe. Die beiden haben 2012 ein Leseformat entwickelt, das einfacher nicht sein könnte. „Sie geben uns Texte und wir lesen sie vor. Das ist schon der ganz Plan“, erklärte die ehemalige Schülerin des Städtischen Gymnasiums, was es mit „Ohne Probe ganz nach obe“ auf sich hat. Auf dem Tisch stapelten sich folglich Bücher, Selbstgeschriebenes und Fundstücke aus dem Internet, die wegen des besonderen Anlasses alle einen Bezug zum Thema hatten. Eine skurrile Mischung, die vom Uschi-Glas-Kochbuch, über Günter Grass‘ „Die Blechtrommel“ bis zum Lexikon-Eintrag zum Schlagwort „Glashütte“ reichte.

Ruth Fabritius hatte sich die Rezitation des Gedichts „Traum in Glas“ des Lyrikers Hans Stolzenburg aus dem Jahr 1941 gewünscht, das der Arbeit eines böhmischen Graveurs ein Denkmal setzt: „ […] Seine Hände, schmal und fein / wollen still im Glas die Seele / wecken, dass ihr lichter Schein / dem Kristall sich hell vermähle […]“. Eva Kraiss kann solch einem Text beim Sprechen die nötige Anmut geben, dann aber auch in den vermuteten rheinischen Tonfall der Nutzerin „Hummel“ verfallen, die auf der Internet-Plattform „Frag-Mutti“ den Tipp gibt, Essig ins Putzwasser zu geben. Kraiss besondere Stärke ist der Charme in der Interaktion mit dem Publikum. Ihr sympathisch-bescheidener Bühnenpartner Michael Baute, Schauspielkollege aus Wuppertal, zeichnet sich durch ein komisches Talent aus, das im Zusammenspiel mit Kraiss seine volle Wirkung entfaltet. Wer die beiden in Rheinbach erlebt hat, wundert sich nicht, dass „Ohne Probe …“ das Kölner Literatur-Café „Goldmund“ im vierzehntägigen Rhythmus füllt.

In der Pause wurden die Besucher aufgefordert, Vierzeiler und Zungenbrecher zu den Wörtern „Schrumpfschlauch“ bzw. „Schrumpfschläuche“ zu schreiben. Erklärung: Der neben RKH andere Unterstützer des Doppeljubiläums an diesem Abend, die „Shawcor DSG Canusa“ aus dem angrenzenden Gewerbegebiet, der mutmaßlich größte Arbeitgeber in Rheinbach, stellt genau diese u.a. im Automobilbau benötigten Schlauchverbindungen her, die sich bei Wärme zusammenziehen, eben „schrumpfen“. Nicht nur die Autoren im Publikum, wie Günter Detro und Irina Rostalski, ließen sich nicht lange bitten, viele Besucher griffen zu den bereitliegenden Stiften. So konnten Kraiss und Baute  zur Freude des DSG-Canusa-Personalleiters Reinhard Wannovius und zahlreicher Belegschaftsmitglieder mit genau dieser Schrumpfschlauchlyrik beginnen, in der in Bautes überbordendem Ulk „die Schrumpfschlauchwochen zu Schrumpfpreisen (aber nur bei Mercedes und nicht bei Tiernahrung)“ ausgerufen wurden: „Schrumpfschlauchst du schon oder schrumpfschlauchst du noch …?“

Den Abschluss des unterhaltsamen Abends bildeten wieder die Improvisationen von „Dad’s Phonkey“ darunter, als Hommage an den Gastgeber, die gesangliche Verarbeitung des Textes aus einem RKG-Flyer sowie zum krönenden Abschluss ein Stück in Pseudo-Englisch, bei dem Padberg den Klang von sechs Gläser aus der Mercedes-Mitarbeiter-Küche in den Sound-Teppich webte. Faszinierend!

Die Organisatoren in Form von uns „Rheinbach liest“ und dem Kulturamt sowie der im Hintergrund als Koordinator der Jubiläumsveranstaltungen wirkende Arnd Pötter von den „Freunden edlen Glases“ waren mit dem Verlauf von „Glas.Geschichten.Gesang“ hochzufrieden, „auch wenn nur ein Bruchteil der eingereichten Texte gelesen wurden. Da bräuchten wir noch vier Abende“. Die nächste Veranstaltung im Rahmen des Glas-Jubiläumsjahres findet am 4. September statt, wenn es in der Mensa der Glasfachschule bei „sinfonia di vetro“ zu einem einzigartigen Konzert auf Glasmusikinstrumenten kommt.

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