„Eddie muss weg“, „Eva schläft“ und alle hören zu

Bei den BÜCHERSTIMMEN von „Rheinbach liest“ im ausverkauften Rheinbacher Glasmuseum zeigen die WDR-Sprecher Regina Münch und Martin Groß bei einem bunten Literatur-Mix hohe Vorlesekunst.

„Ich mag Abenteuer und Geschichten um historische Ereignisse“, sagt Urte Seiffert, Lehrerin an der Glasfachschule, freimütig und erklärt dann, was ihr an dem von der Kritik hochgelobten Roman „Nordwasser“ von Ian McGuire so gut gefällt: „Da ist alles drin, was uns Menschen ausmacht, auch das Schlechte.“ Die anschließende Lesung von Martin Groß aus dem WDR-Sprecherensemble lässt die 120 Zuhörer eintauchen in die Geschichte der Walfangcrew um den irischen Schiffsarzt Sumner.

Der Buchtipp „Eddie muss weg“ von Katinka Buddenkotte des Heimerzheimer Grünen-Politikers und Aktivisten im „Freundeskreis Pallottistraße 1“, Stephan Faber, kommt in Groß‘ Duett-Lesung mit Regina Münch besonders gut beim Publikum an. Nach der Pause führt die Vorsitzende des Fördervereins der Musikschule, Vera Weiß,  den Reigen der Buchempfehlungen fort. Ihr war kürzlich die bereits 2011 erschienene Südtiroler Familiengeschichte „Eva schläft“ von Francesca Melandri in die Hände gefallen und hat sie nicht mehr losgelassen. Die Lesung der ausgewählten Textstelle übernimmt Regina Münch diesmal alleine.

Alle Gäste besprechen ihr Buch so pointiert, dass den beiden Moderatoren, Christel Engeland und Gerd Engel, die Arbeit leicht gemacht wird und allen viel Zeit zum Plaudern bleibt. Dieser Mix aus Literaturgespräch, Lesung und Talk macht den Charme der Veranstaltung aus. Nicht zu vergessen die Musik zwischendurch! Die kommt diesmal von Paul Tintelnot, 16, (Piano) und Sebastian Bartels, 17, (Schlagzeug) aus dem Pool der jungen Musikschultalente. Beide spielen bei den Tomburg Winds III und der Big Band der Musikschule Meckenheim-Rheinbach-Swisttal. Das Repertoire der beiden Schüler an diesem Abend besteht aus hinreißend dargebotenen Jazz-Variationen wie „Georgia“ und „How high the moon“, die das Publikum immer wieder begeistert applaudieren lassen.

Ein besonderer Höhepunkt war das sogenannte „Bücher-Battle“ um den vierten Gast, Martin Kirchhartz, Musiklehrer am hiesigen SJG. Nicht nur, dass er seine Vorliebe für humorvolle Lyrik mit einem Heinz-Erhard-Gedicht unter Beweis stellt, er beantwortet auch die Frage, wie er zu seinem Musikstudium gekommen ist, in Form einer selbstgeschriebenen Bluesballade („Was habt ihr mit mir gemacht?“). Im vierten Anlauf gewinnt Engel im Team mit Regina Münch zum ersten Mal das Battle. Kirchhartz entscheidet sich nämlich für die von Engel empfohlene Wachtberger Anthologie humoristischer Lyrik aus dem Wettbewerb um den besten „Kugelschreiber“ 2018. Das von Engeland favorisierte „Nackt über Berlin“ von Axel Ranisch gelangt auf einen guten zweiten Platz und als Geschenk der Buchhandlung Kayser ebenfalls in die Jutetasche des jungen Lehrers.

Außerordentlich auch wieder die Leistung von Harvey Scherer (4events), der unterstützt vom Rheinbach-liest-Team, den Ratssaal in kürzester Aufbauzeit mit einer gemütlichen Bühne sowie perfektem Licht und Ton ausstattet. Die Bücherstimmen wurden wie in den Vorjahren gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt Rheinbach ausgerichtet und vom Waldhotel sowie der Firma Optik Schulz mit einer Veranstaltungsspende unterstützt, sodass, wie Christel Engeland bemerkt, „die Rheinbacher eine hochwertige Veranstaltung im erlesenen Ambiente zum Preis eines günstigen Taschenbuchs erhalten“.

Wie das Riesenbuch nach Rheinbach kam …

Am Anfang stand eine weitergeleitete Mail von Heidi Möhker, Rheinbacher Autorin und Mitglied bei Rheinbach liest, Anfang November 2017. Die Autorenvereinigung SYNDIKAT, der sie angehört, habe wegen fehlenden Lagerplatzes  ein tolles Bühnenobjekt schweren Herzens abzugeben. „Lieber Vorstand, ist das was für uns?“

Wir kriegen dazu dieses Foto.

Das „Riesenbuch“ 3,50 hoch und 4,60 m breit. Der Erstbau wurde bei der Corine-Buchpreisverleihung eingesetzt und steht mittlerweile in Wien. Der verbesserte Nachbau einer Mönchengladbacher Firma für Objektdesign für das SYNDIKAT ist nun zu haben. Und es kostet dem Selbstabholer nichts.

Der Vorstand einigt sich per Mail. Sieht großartig aus! Aber wo sollten wir es lagern? Und wie den Transport bezahlen?

Mail von Gerd Engel an SGR-Schulleiter Herrn Schwarzer und Bürgermeister Stefan Raetz. Das wäre doch toll für Rheinbach. Können wir, wollen wir? Begeisterung allenthalben, aber diese durchaus noch unkonkret. Doch die erste Reaktion und das Wissen, dass es in Oberdrees zur Not reichlich Scheunen gibt, reichen Gerd Engel aber, um in einem Telefonat mit dem SYNDIKAT Ernsthaftes Interesse zu bekunden. Heidi hatte nämlich zur Eile geraten. Die Sympathie für SYNDIKATS-Frau Angelika Eßer ist gegenseitig und der im Gespräch transportierte Enthusiasmus, sollte einige Wochen später den Ausschlag.

Zunächst kommt der Hinweis von Frau Eßer per Mail: In Deutschland haben sich gleich mehrere Interessenten gemeldet. Das Syndikat wartet zunächst an und behält sich die Entscheidung bis Ende November vor.

Nachdem Herr Schwarzer zwischenzeitlich konkret den Requisitenkeller seiner Schule angeboten hat, schreibt Gerd Engel in der dritten Novemberwoche eine regelrechte Bewerbung und trägt mit dicker Farbe auf, was Rheinbach in Sachen Buchkultur zu bieten hat: Den Verein RHEINBACH LIEST, die Fülle von Büchereien, eine aktive Buchhandlung, die Formate, das Netzwerk, die Verbindung zum Kulturamt, die große Bühne des Stadttheaters und vieles mehr. Eine nachhaltige Nutzung, ein guter Lagerplatz und auch verkehrsmäßig sei Rheinbach gut gelegen, falls ein Verleih erforderlich sei. Und für den Transport habe der örtliche Baumarkt sein Unterstützung angeboten. Tatsächlich hatten die Eheleute Fassbender einen LKW von OBI bzw. Fassbender-Tenten zugesagt.

Am Nikolaustag kommt die Mail von Angelika Eßer. Rheinbach bekommt den Zuschlag. Andere Bewerber waren auch gut, aber der Enthusiasmus … s.o.

Nun wird es ernst. Der Hausmeister des SGR, Herr Weber, meldet in einem Gespräch mit Günter Detro Zweifel an, und ein Besuch von Gerd vor Ort bestätigt diesen schnell. Der Türdurchgang dürfte zu klein sein, die Stellfläche ebenfalls und bei Starkregen kriegt man hier nasse Füße. Aber sein Kollege, der „Werner“, der habe möglicherweise Platz. Auf dem „kurzen Dienstweg“ gehen die beiden hinüber zur alten Hauptschule. In warmen Worten schildert Herr Weber dem Kollegen Schneider unser Anliegen („Ich will dem Herrn Engel gerne helfen, der tut so viel und guckt, dass die Kinder ans Lesen kommen. Und für Rheinbach ist das eine tolle Sache.“), muss ihn aber nicht groß überzeugen. Herr Schneider macht sofort mit beim Tüfteln. Der „alte Fahrradkeller“ ist doch super und die Matten der Ringer könne man ja gemeinsam aufräumen um, richtig Platz zu schaffen. Ein Moment der Rührung, wie bereitwillig die beiden Hausmeister sich mit unserem Anliegen verbinden.

Die zuständige Sachbearbeiterin Frau Sondermann und der erste Bürger der Stadt in schnellen Mailantworten geben grünes Licht. Mit Rudi Kleefuß plant Gerd Engel die Abholung in Cadolzburg bei Nürnberg, wo die Elemente des Riesenbuchs in einem Lager des Verlags Ars Vivendi untergebracht sind. Auf der Weihnachtsfeier hört sich Melanie Kriegel den Plan an. Und dann kommt alles ganz anders. Melanie arbeitet bei der DHL und ihr Chef hat ein offenes Ohr, wenn Mitarbeiter sich gemeinnützig engagieren. Der kostenlose Transport durch die DHL wird zugesagt. Melanie koordiniert die Sache und am 29. Januar ist es so weit.

Für die Öffentlichkeitsarbeit wird die Historie des Buches noch einmal recherchiert. Unser Exemplar diente seit etwa 10 Jahren der Preisverleihung im Rahmen der „Criminale“, einer SYNDICATS-Veranstaltung  als Bühnen-Hingucker mit Funktion. Manfred Zapatka, Mechthild Großmann (Die Staatsanwältin aus dem Münstertatort), Joe Bausch (Gerichtsmediziner aus dem Köln-Tatort) und Christian Brückner, die Stimme Robert de Niros, haben hier schon für die zu ehrenden Autoren gelesen.

Die Liste der Preisträger enthält u.a. die Namen Nina George, Zoran Drenkvar, Maja von Vogel, Gisa Klönne und Judith Merchant. Eine ganz ordentliche Patina.

29. Januar 2018  Das Riesenbuch kommt nach Rheinbach …

Heike Laucks, Rudi Kleefuß, Joachim Weiß, Melanie Kriegel und die beiden großartigen Hausmeister Herr Schneider (Hauptschule/Gesamtschule) und Herr Weber (Städt. Gymnasium/Stadtheater). Melanies Chef bei der Deutschen Post hatte ein gutes Herz für unser Riesenbuch-Projekt und uns den Transport gestiftet.

Der Lagerplatz ist super frei geräumt (Danke an die Rheinbacher Ringer). Alles hat Platz, aber nicht alles ist da. Die Bespannung mit dem Buchtext fehlt und Rudi Kleefuß fände eine Aufbauanleitung auch nicht schlecht.

Die Aufbauanleitung wird aufgetrieben bei der Firma „Freimeister“ in Mönchengladbach, die das Objekt 2007/2008 nachgebaut und verbessert hat. Und für die fehlende Bespannung, die in der bisherigen Form neu über 800 Euro kosten würde, besorgt uns Harvey Scherer professionellen Bühnenstoff der höchsten Brandschutzklasse. Rudi Kleefuß fuchst sich in den Aufbau und ist optimistisch: Das kriegen wir hin. Die großen Bauteile drei Tage später vom alten Fahrradkeller der Hauptschule zum Bühneneingang des Stadttheaters zu transportieren, erweist sich „rollend“ als weniger mühsam als erwartet. Mit Gerd zusammen reichen ihm 45 Minuten.

Am Freitag, den 2. Februar startet der Aufbau des Unikats. Joachim Weiß, Rudi Kleefuß, Harvey Scherer und Gerd Engel, Letztgenannter mit mehr Leidenschaft als Können, bohren die ersten Teile zusammen. Am 6.2. für den Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs soll alles fertig sein.

Steffi wollte eigentlich nur Wasser vorbeibringen, aber dann soll es ja ordentlich aussehen …
Ist das schön geworden! Keiner vermisst den bedruckten Originalstoff, denn Harvey hat eine bessere Idee…

Mit Licht und Schatten spielen und mittels eines Beamers …die Schrift von hinten projizieren.

So wird der Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs zum Ereignis.

 


Beachten Sie auch unsere Veranstaltungen bis Juli 2018

„Rheinbacher Bücherkiste“ und Deutschlehrer in Jack-Wolfskin-Jacken

Mehr als 120 Besucher erfreuten sich bei „aufgeschlagen! 2018“, dem öffentlichen Jahresempfang von Rheinbach liest e.V., an den gereichten Kostproben von Lyrik, Lied, Literatur, Lesebühne, Poetry und Projekten.

Leidenschaft für Bücher! Anke Fuchs, die Moderatorin des Abends, liebt „Die Freundschaft“ von Connie Palmen, „das einzige Buch, das ich mehrmals gelesen habe.“  Und Thomas Lienenlüke, Kabarett-Comedy-Autor aus Köln, sagt von Joseph Roths „Radetzky-Marsch“: „Dieses Buch ist mein Lebensbuch!“ Ebenso fachkundig und hingebungsvoll wusste der studierte Germanist für Peter Grafs „Ungemein eigensinnige Auswahl unbekannter Wortschönheiten aus dem Grimmschen Wörterbuch“ zu werben und las gleich ein paar Kostproben. Dass er selbst sich auch auf das Schreiben versteht, bewies er mit pointenreichen Texten und Liedern über seine Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal als Bühnenkünstler („Mütze? Nee, die hat Thorsten Sträter schon.“), einem denkwürdigen Karnevalsauftritt im Münsterland oder „Deutschlehrern in Jack-Wolfskin-Jacken“.

In der ersten Halbzeit des von Anke Fuchs charmant moderierten Abends zog Vorsitzende Monika Flieger stolz und dankbar eine positive Bilanz des vergangenen Jahres. „Neue Akzente setzen und Bewährtes pflegen: Lyrikwettbewerb „Herzklopfen“, Poetry-Slam und Bücherüberraschung  2017. Im neuen Jahr freue sie sich persönlich besonders auf das Lesefestival „Seitenknistern“ (19.4.-22.4.) und die Lyriktage (30.4.-5.5.)“, so Flieger.

Lyrik stand dann auch gleich im Mittelpunkt. Günter Detro las zwei Gedichte, mit denen er in der Wachtberger Anthologie für komische Lyrik vertreten ist und warb für das Format TextProbe (26.2.), als gute Möglichkeit, sich mit Selbstgeschriebenem vor einem Publikum zu zeigen. Johannes Engel, Mitglied der Lesebühne „Stuss mit Lustig“ (5.5.), lallte sich in seiner kruden Ballade kongenial durch die Reimwörter auf Wein und machte so Lust auf das Format „Bachus meets Lyrik“ (3.5.).


WDR-Sprecherin Regina Münch warb für die BücherStimmen (22. 3.) im Glasmuseum mit ihrem Kollegen Martin Groß und las mit den Schulsiegern des Vorlesewettbewerbs der weiterführenden Schulen Lara Volkmer, Tom Warhonowicz und Victoria Schaay, die am 6. Februar beim Kreisentscheid in der Aula des Städtischen Gymnasiums (Stadttheater) antreten. Der 8-minütige Auszug aus Claudia Schreibers Buch „Ein Solo für Clara“ wies auf eine für den Mai geplante Veranstaltung in Kooperation mit der Musikschule Voreifel hin. Dabei sollen Klaviertalente der Musikschule in einer szenisch-musikalischen  Lesung ihr Können zeigen.

Das Thema Vorlesen zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung. „Gutes Vorlesen vor Publikum ist eine eigene Kunst, deren Stellenwert für die Persönlichkeitsbildung und die Vermittlung von Literatur man nicht hoch genug einschätzen kann“, so Rheinbach-liest –Vize Gerd Engel. „Deswegen freue ich mich so, dass wir es gemeinsam mit der Buchhandlung Kayser, der Öffentlichen Bücherei St. Martin und den Schulen geschafft haben, nicht nur den Grundschulwettbewerb „Laut oder deutlich!“ auszurichten und zum zweiten Mal den Kreisentscheid vor hunderten Kindern ausrichten zu dürfen, sondern auch den Entscheid für den ganzen Regierungsbezirk Köln.“ Der geplante Termin für den Bezirksentscheid ist der 19. April im Rahmen des Lesefestivals „Seitenknistern“.

Der Kölner Lienenlüke zeigte sich erstaunt und begeistert, was in der Glasstadt auf die Beine gestellt wird. Dabei sind die Veranstaltungsformate ja nur ein Teil der Kulturarbeit. Im Frühjahr wird beispielsweise die Bücherei St. Martin bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt (Neugestaltung von Logo und Faltblatt). Auch wurde das Ziel ausgegeben, das Modellprojekt der „Rheinbacher Bücherkiste“ von acht Prototypen nun in die Wachstumsphase zu schieben. Die Vision: In möglichst jedem Ladenlokal, in jedem Gastronomiebetrieb, bei jedem Dienstleister – also überall dort, wo Kinder warten − gibt es eine spezielle Kiste oder ein Regal mit Büchern.

Eine gewaltige Kraftanstrengung! Deswegen freuten sich die Rheinbach-liest-Aktiven nicht nur über einen äußerst gelungenen Abend, sondern auch über sieben neue Mitglieder und spontan eingegangene Spenden von mehr als 300 Euro.

Das vollständige Halbjahresprogramm, kostenlos und professionell erstellt von Steffi Scherer (adfacts), kann hier heruntergeladen werden.


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